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„Alle Musiker:innen sollten zeigen wo sie stehen!“// Westbahn Crime Posse Interview

„Alle Musiker:innen sollten zeigen wo sie stehen!“// Westbahn Crime Posse Interview

Die Union 1850, bestehend aus Smokeman Gorbatschow und 50 Schilling, machen Musik über das Leben am Rand und haben Atzenrap nach Wien gebracht. Mit Lucky L und Lupus aus Stuttgart ist daraus die Westbahn Crime Posse geworden. Bald geht’s mit der 808 Factory im Rücken auf die erste gemeinsame Tour – die Stammtisch Rallye. Wir haben sie im Wiener Untergrund Beisl „Schmausi“ getroffen für ein Interview.

The Message: Eure Texte drehen sich zu einem großen Teil um Kriminalität, Drogenexzesse, saufen, feiern. Wo liegt die Grenze zwischen dem was ihr lebt und dem was ihr rappt?

Lupus: Grundlegend hat alles schon eine reale Basis, jeder von uns hat Berührungspunkte zu den Sachen über die wir rappen. Aber natürlich ist es halt komplett überspitzt, und das ist ja der Joke an der Sache. Niemand von uns sitzt um 13 Uhr in der U6 und haut sich irgendwelche Spritzen rein (lacht).

Lucky L: Ich sehe das genauso. Unser Genre lebt einfach von dieser Überspitzung. Manchmal breche ich selbst weg, weil einfach so eine übertrieben, ja eigentlich dumme Line dabei ist, dass ich mies lachen muss. Es soll Spaß machen, wir machen keinen Rap, wo jeder draufschaut und sagt, krass, was für geile Reimketten.

The Message: Wie entstehen eure Texte? Versucht ihr euch da gegenseitig an derben, überzogenen Inhalten zu übertreffen?

Lupus: Ja, voll – Wer hat die absurdere Line? Das ist eigentlich so ein bisschen das Spiel (lacht). Jemand rappt was vor und dann gibt der andere noch einen Vorschlag, was es noch überspitzter machen würde. So schaukelt sich das immer weiter hoch würd ich sagen.

Lupus, Smokeman, Lucky L und 50 Schilling

Smokeman: Bei mir ist es so, ich kann erst Texte schreiben wenn ich wirklich vor dem Beat sitze, und dann versuche ich das Lustigste aus mir rauszuholen. Der Schilling hingegen schreibt schon vor, wenn ihm irgendwo ein lustiger Gedanke kommt. Der macht das wie der David Lynch, holt sofort das Handy raus und schreibt direkt auf.

Lupus: Bei mir ist das ähnlich. Ich gehe mit meinem Hund spazieren, fällt mir was Lustiges ein, schreib ich’s auf. Dann habe ich irgendwann so eine Liste mit 20 lustigen Sätzen und daraus entstehen dann die Texte.

The Message: Habt ihr je das Gefühl gehabt beim Schreiben das ist zu krass, das können wir nicht veröffentlichen?

50 Schilling: Wir haben uns von Anfang an klare Grenzen gesetzt: frauenfeindliche Texte haben beispielsweise keinen Platz. Du wirst bei uns keine einzige Line finden.

Smokeman: Wir haben einen Track, wo wir mal eine ungute Line gebracht haben, die eigentlich gar nicht so gemeint war und die veröffentlicht wurde. Wir sind später draufgekommen, dass das falsch gesehen werden kann. Da ist es für uns schon eine Aufgabe diesen Track dann runterzunehmen.

The Message: Macht es euch nicht auch ein bisschen Spaß, Dinge zu sagen die andere sich nicht trauen? Kann dieser Reiz eine Art Sucht entwickeln?

50 Schilling

Smokeman: Ich hab eigentlich so das Gefühl, dass wir jetzt nicht so weit gehen. Wir wollen auch nicht wirklich schocken oderso, einfach lustige Geschichten erzählen. Wir haben uns halt in diese Charaktere reingefressen, dass wir irgendwelche eckligen Zeitgenossen im Gemeindebau sind.

Smokeman: Okay, hier ging es darum uns politisch ganz klar zu positionieren. Besonders um sofort Hörer aus dem rechten Millieu zu zeigen, dass sie bei uns kein Platz haben. Aber natürlich, auch dieser Track ist völlig überzogen mit den Aussagen, da sind wir schon weit gegangen.

Lucky L: Mittlerweile machen wir das bei fast jedem Track. Da hauen wir eine Line raus um sofort zu zeigen wo wir politisch stehen und das ist ganz klar links.

The Message: Habt ihr es schon jemals Hass-Nachrichten wegen eurer Einstellung erhalten?

Lucky L: Ja auf jeden Fall. Aber ich denke wir haben hier sehr stabile Fans. Einmal war in den Kommentaren auf Instagram eine Diskussion ob wir jetzt eh Rechts wären und bevor wir überhaupt selbst geantwortet haben, haben unzählige Fans klargestellt was Sache ist.

50 Schilling: Shout out an alle!

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The Message: Eure Texte haben auch ganz klare Feindbilder wie beispielsweise korrupte Politiker. Ist das Haltung oder einfach guter Stoff für einen Track?

50 Schilling: Klare Haltung. Ganz klare Haltung.

Lupus: Wir finden diese Menschen scheiße, und dann reden wir halt darüber.

50 Schilling: Die österreichische Politik in den letzten paar Jahren ist super lustig. So ein Kasperltheater. Es sind Sachen, die uns einfach privat beschäftigen und die wollen wir in unsere Musik miteinbringen.

The Message: Findet ihr es braucht mehr Musiker:innen die ganz klare Haltung zeigen?

Lupus: Auf jeden Fall! Ich finde alle Musiker:innen sollten zeigen wo sie stehen.

Lucky L: Ja absolut. Wir haben beispielsweise auch schon Shows abgesagt weil wir politisch nicht mit den Location Besitzern zusammengepasst haben.

Smokeman: Man muss einfach verhindern als Künstler das extrem Rechte die Musik feiern. Ich finde da muss man sich schon ganz klar abgrenzen. Aber es ist nicht unsere Aufgabe unsere Fans politisch zu educaten, dafür stehen wir nicht.

// Alle Infos zur Tour findet ihr hier: 808 Factory – Stammtisch Rallye Tour