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Just For the Record #70: Edward Sizzerhand

Just For the Record #70: Edward Sizzerhand

Im Meer an Produzenten und Instrumentalalben, die in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen kamen, ist es schwer, etwas einzigartiges zu machen und aus der Masse heraus zu stechen. „A Taste of Honey“ von Edward Sizzerhand ist so eines dieser Alben. Nicht nur wegen des Produzenten an sich, der Teil der legendären Crew Square One aus München war, die ganze Aufmachung des Albums ist in dieser Form einzigartig und verbindet die beiden größten Leidenschaften des Münchners: Beats und Bienen. In den Jahren nach der Trennung von Square One begann Edward Sizzerhand nämlich mit dem Imkern und kümmert sich mit seiner Firma Sizzerbees mittlerweile um über 50 Bienenvölker im Münchner Umland. Eine neue Ausgabe Just For The Record mit anschließendem kleinen Interview: Edward Sizzerhand.


Produziert für:
Square One & Edward Sizzerhand

Top 5 Alben/Tracks (im Moment):
Ghostface – Ghostface Killahs
Black Moon – Black Moon Rise
Smif N Wessun – The Fall
Gangstarr – One of the Best yet
Apollo Brown – Sincerely, Detroit

Alltime classics (Alben):
Benny the Butcher – Tana Talk 3
Marco Polo – PA2: the Directors Cut
Jedi Mind Tricks – Violent By Design
Wu-Tang Clan – 36 Chambers
Dilated Peoples – The Platform
Mobb Deep – The Infamous
Cypress Hill – Black Sunday

Lieblingsproduzenten:
Stoupe
The Alchemist
Marco Polo
Dj Muggs
4th Disciple

Lieblings-DJs:
D-Styles
Mista Sinista
Fong Fong
Jazzy Jeff
Dj Revolution

Lieblingsmusiker:
Your Old Droog

Lieblingszeile:
„Why is the sky blue? Why is water wet?
Why did Judas rat to Romans while Jesus slept?
Stand up, you’re out of luck like two dogs stuck
Ironman be sipping rum, out of Stanley Cups, unflammable“
(Ghostface auf GZA 4th Chamber)

Lieblingszeile (auf eigenem Beat):
„Those who try to judge me, they don’t know me. Others try to teach me, but couldn’t show me.“
(Square One – Unorthodox)

Erste gekaufte Vinyl:
DJ Red Alert* – We Can Do This (1988)

Lieblingscover:
Swollen Members – Full Contact / Take It Back (2001)

Erstes Sample:
Bob James – Nautilus

Lieblingsplattenladen:
Beat Street in Brooklyn

Lieblingsbeat:
Mobb Deep – Shock Ones Part 2

Lieblingsbeat (selbstproduziert):
Forest – A Taste Of Honey

Producerequipment:
MPC 3000 / MPC 60 / EMU SP1200 / Ensoniq ASR-88 / Ensoniq – TS10 / Amek Big by Langley / Ableton Push 2 und jede Menge nerdy Outdoor-Equipment

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Wie ging es musikalisch nach der Trennung von Square One weiter?

Als DJ einer HipHop Band war ich natürlich in erster Linie hinter den Plattenspielern. Ich habe damals viel als DJ gespielt und natürlich schon fleißig Beats gemacht. Der Fokus war aber noch mehr das DJing und Mixtapes, die es damals noch gab. Die ersten Beats hatte ich bereits Mitte der 90er gebaut, da fing ich an, mir die ersten Geräte zu kaufen. Einer der ersten Tracks war damals auf Fiva Mc & Dj Radrum’s Debütalbum „Spiegelschrift“. Es folgten ein paar Remixe und ich hatte damals auch überlegt, ein eigenes Album zu machen. Ich hatte mit Scott (Square One) einige Solotracks aufgenommen und mit anderen MCs ebenfalls. Ich fand die Sachen allerdings irgendwann nicht mehr zeitgemäß und habe den Plan verworfen. Klassische HipHop-Tracks hatten mich zu der Zeit auch nicht mehr so geflashed. So habe ich mich mehr und mehr auf Instrumentals konzentriert. Hier und da hatte ich noch ein paar Remixe produziert, aber mein Fokus war, zeitlose Beats zu bauen. Hier in München hatte ich in einigen Bars aufgelegt und es hatte sich irgendwie etabliert, dass ich die ersten 2-3 Stunden nur HipHop Instrumentals gespielt habe. Das kam damals schon sehr gut an. Und so fing ich an, Beats zu bauen und an ihnen zu feilen. Es kam jede Menge Equipment dazu und in den letzten Jahren sind ein paar coole Sachen entstanden.

Woher kommt das Interesse für Imkerei?

Ich bin vor gut 10 Jahren auf den Bauernhof meiner Großeltern gezogen. Dort ist sehr viel Fläche vorhanden. Als ich damals beim Joggen einen Imker gesehen hatte, fragte ich ihn einfach mal, wie sowas eigentlich läuft. Was man braucht, wie man an Bienen kommt, wann man Honig ernten kann und so weiter. Ich fand das Thema sehr spannend und meldete mich ein paar Wochen später bei einem Anfängerkurs an. Danach bekam ich mein erstes Bienenvolk und machte so meine ersten Erfahrungen im ersten Bienenjahr. Da ich auf dem Bauernhof den Platz hatte, um das ganze größer zu betreiben, hatte ich mich entschlossen, auch meine Skills in der Bienenzucht zu verbessern. Ich habe dann auf dem zweiten Bildungsweg die Ausbildung zum Imkerfacharbeiter (übrigens in Österreich) abgeschlossen und hing den Imkermeister 2018 gleich noch hinten dran. Mittlerweile habe ich eine Menge Bienenvölker und ernte ein paar Tonnen an Honig. Es macht mir sehr viel Spass. Meist bin ich tagsüber bei den Bienen und abends an den Beatmaschinen. Hätte mir allerdings jemand vor 15 Jahren erzählt, dass ich mal Imker bin, hätte ich Ihn für verrückt erklärt. Aber so startete das Ganze mit Beats und Bees.

Ist das Album eine einmalige Angelegenheit, um die beiden Interessen Imkerei und Musik miteinander zu verbinden oder kann man in Zukunft auch wieder mehr musikalischen Output erwarten?

Das Konzept für das Album kam mir während der Imkerausbildung. Ein Punkt war dort die Sensorik, das heißt, verschiedene Honigsorten anhand von charakteristischen Eigenschaften zuzuordnen. Ich fand, dass man diese Eigenschaften auch gut auf Instrumentale transportieren kann. Schließlich gibt es dunkle, düstere, schwere Beats oder eher weiche, leichte. Ähnliche Eigenschaften, die man eben auch den Honigsorten zuordnen kann, denn Honig kann sehr unterschiedlich schmecken. So entstanden in den letzten Jahren einige Tracks, die ich jetzt in diesem Konzept in 14 Tracks umgesetzt habe. Die Instrumental Szene wächst gerade ungemein und sicherlich wird da noch einiges von mir kommen. „A Taste Of Honey“ war erst der Anfang. Watch out!

Als ehemaliger Backspin-Redakteur: Wie siehst du den mediale Verarbeitung von HipHop sowohl in Szene- als auch „Mainstream“-Medien im Vergleich von damals und heute?

Die Szene hat sich über die Jahre ständig verändert. Von den 80er bis heute gab es die unterschiedlichsten Stile. Die HipHop-Kultur ist in den letzten Jahren so groß geworden. Wenn man sich die Charts ansieht, sind die ersten Plätze überwiegend Songs, die man der ursprünglichen Subkultur HipHop zuordnen kann. Es gibt sehr viele Ausprägungen. Früher war das tatsächlich noch ein Genre, das man vereinzelt in den Charts gesehen hat. Vor allem aber auch der Deutschrap ist ziemlich gewachsen in den letzten Jahren. Aber auch der technische Fortschritt ist nicht zu verachten. Während man früher stundenlang im Plattenladen verbracht hatte, um die neuesten Platten zu checken, macht man das heute bequem über Playlists. Es werden einem sogar Artists/Songs vorgeschlagen, die man selbst vielleicht nie gefunden hätte. So hat man natürlich eine extrem große Bandbreite an Musik zu Verfügung, die man für sich selbst nur filtern muss. Eine tolle Sache!