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Nacht aus, Beats an: Mrn808 mit „EOS“ // Album

Nacht aus, Beats an: Mrn808 mit „EOS“ // Album

Cover von EOS. Schwarz-weiß Fotografie von Mrn808 mit gelbem Grafikdesign

Mrn808 hat sich offensichtlich ausgeschlafen. Was die Single „EOS Cypher“ bereits zeigte, bestätigt sich auf dem restlichen Album. Hier ist jemand gereift, ohne sich dabei selbst zu vergessen. Stilistisch deckt „EOS“ einen breiten Querschnitt durch den deutschsprachigen HipHop ab. Oldschool-Kopfnicker treffen auf verträumtere, moderne Produktionen. Dabei fühlt sich nichts wahllos an. Die Beats unterstreichen jeden Feature-Gast und seinen individuellen Stil nahtlos. 

“EOS“ zeichnet sich auch besonders dadurch aus, dass es sich nicht zu ernst nimmt. Weder der Producer noch die 15 beteiligten Künstler versteifen sich auf diesem Album. Der Humor sitzt und darf gleichwertig neben tiefgründigeren Themen existieren. Die Texte haben Raum und Freiheit zu atmen. Das macht das Hören leicht, ohne die Substanz zu verlieren. Dabei gibt es weder stilistisch noch inhaltlich einen roten Faden, das ist dem Format des Producer-Tapes geschuldet. Nichtsdestotrotz fügen sich die Tracks in ein stimmiges Gesamtbild ein, was auch der Wahl der Mitwirkenden zu verdanken ist. 

Auf dem Album zu hören sind: JerMCSzumK, MCL XIDrexorBumBumKunst, Roko von der Tanke, Moonvers, Böser Wolf, Emil F, VaritKschischQueroland, Samplegott, Al PoneDelablock, Reflex EastBlok und Sanno. 
 
Vieles an diesem Album bleibt im Gedächtnis hängen, allem voran sicherlich der Beitrag von Kschisch, oder vielmehr seine Abwesenheit. Statt eines ordentlichen Tracks gibt es einen Skit aus einer Reihe von Sprachnachrichten mit Entschuldigungen. Irgendwie hat er es also doch noch seinen Teil beigetragen, nur nicht übers Mikrofon. 

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Foto mit violettem Hintergrund und Monochromer Abbildung der Mitglieder der Betty Ford Boys

Schlussendlich ist „EOS“ eine Bereicherung. Als Produzentenalbum, als Zeitdokument und als Querschnitt durch diesen Teil der österreichische HipHop-Kultur. Insomnia war der Anfang. EOS ist die Ankunft.