„The grind never stopped for the working class“ // Saba live

Ein spätsommerlicher Dienstagabend im Flex Café. Vor dem Club komme ich mit fremden Amerikanern ins Gespräch, die mich fragen, wer hier heute auftritt. „Saba“, antworte ich und blicke in leere Gesichter. Auch drinnen im Café finde ich eine bescheidene, aber gut gelaunte Meute vor. „Warum ist Saba hierzulande nicht bekannter?!“, frage ich mich. Hat der Rapper aus Chicago, der mit gebürtigem Namen Tahj Malik Chandler heißt, doch schließlich allein auf Spotify über 2 Millionen monatlicher Hörer*innen vorzuweisen. Saba scheint hierzulande noch sehr underrated zu sein.

Zum Glück hat ihn Beat the Fish eingeladen, auf seiner „Back Home“-Tour einen Abstecher nach Wien zu machen, um sein aktuelles Album „Few Good Things“ zu präsentieren. Wie immer in kleinen Venues, ist auch diese Location im Endeffekt eine hervorragende Wahl (Anm. wurde von der Grellen Forelle ins Flex Café verschoben) für alle Fans, die hautnah mittendrin sein möchten.

Saba bringt pures Charisma

Saba betritt mit explosiver Energie die Bühne und präsentiert sich von der ersten Sekunde an als leidenschaftlicher Live-MC, dessen gute Laune ansteckender nicht sein könnte. Keiner im Publikum steht jetzt noch still, alle tanzen ungeniert und rappen mit. Auch soundtechnisch gibt es nichts zu meckern (was im Flex Café leider nicht immer der Fall ist). Man merkt Saba sichtlich an, was für eine ehrliche Freude es ihm bereitet, an diesem Abend in Wien spielen und mit Fans auf persönlichem Level interagieren zu dürfen – und dafür bedankt er sich auch mehrere Male. Es ist pures Charisma, das man spürt, vor allem in den Interaktionen mit dem Publikum, in denen er auch einige humorvolle Pointen bringt.

Die Menge besteht sichtbar aus alt-eingesessenen Fans, denn die meisten singen Wort für Wort mit bei Songs, die noch aus der Zeit seiner ersten Alben „Bucket List Project“ (2016) und „Care for me“ (2018) stammen. Ich selbst kenne viel zu wenige Lieder von ihm, doch seine unfassbaren MC-Skills gepaart mit intelligenten, politischen Lyrics à la „The grind never stopped for the working class, f*ck a Birkin bag“ machen es mir nicht schwer, mich instantly Hals über Kopf in Saba zu verlieben. Auch sein Support-Act, die niederländisch-sudanesische Singer-Songwriterin Gaidaa, ist nichts anderes als zum Verlieben. Sie spielen zusammen ihren gemeinsamen Song „Stranger“:

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Fazit

Die Show ist eine der besten, die ich seit langem besuchen durfte. Saba live zu sehen, ist ein Must-Do, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Es ist herrlich, einen Rap-Artist zu hören, der abseits der gängigen Themen in den immer gleichen, oberflächlichen Jargons fähig ist, Rap zu machen. Der mit melodischer Finesse besticht, trotzdem ein knallharter MC und zugleich so unendlich sympathisch ist.

Danke an die Veranstalter*innen von Beat the Fish!