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Beatshizzle (September/20) // Beats & Instrumentals

Beatshizzle (September/20) // Beats & Instrumentals

In dieser Reihe widmen wir uns monatlich den neuen Releases der Beat- und Instrumental-Szene. Das Meer an großartigen Beats wird von Tag zu Tag größer und nur die wenigsten Produzenten erhalten gerechtfertigte Credits. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Instrumentalreihen – viele der Projekte gehen allerdings in der Flut an Releases einfach unter und werden nicht mit eigenen Artikeln gewürdigt. Dennoch sind sie relevant genug, um ihnen eine Plattform zu bieten.

Kürzlich haben wir uns bereits gesondert den österreichischen Beatreleases vom September gewidmet. Internationale Veröffentlichungen gibt es wie gewohnt in dieser Rubrik.

Text: Simon Huber & Simon Nowak

Klaus Layer – Eternal Visions

Nach einigen Beat-Releases, Kooperationen mit dem US-Label Redefinition Records und Produktionen für rappende Nordachse-Kollegen wie Shacke One widmete sich Klaus Layer zuletzt seiner zweiten musikalischen Leidenschaft – zu hören auf den 2019 erschienenen, mit House-Tracks bespickten „Rick Flair Sessions“. Das kürzlich erschienene Album „Eternal Visions“ steht wieder mehr im Zeichen des altbewährten Power-Boombap-Sounds. Entstanden zwischen 2009 und 2020, hat der Berliner auch einige ältere Skizzen und seit Jahren herumliegende Beats verwertet und raue mit smoothen Tracks vereint. Stilistisch bewegt sich Klaus Layer zwischen klar erkennbaren Einflüssen seines Vorbilds und Redefinition-Kollegen Damu The Fudgemunk sowie über die Jahre vielseitiger gewordenen Produktionen. Als roter Faden ziehen sich markante Drums und ein mal stärker, mal schwächer durchschimmernder Vintage-Flavour durch.

Botany – End the Summertime F​(​or​)​ever

„End the Summertime F(or)ever“ – ein Titel der anno 2020 wie maßgeschneidert klingt, laut Botany aber schon lange vor der Pandemie feststand. „I came up with the title in fall of 2018, so it was never meant to speak explicitly about pandemics or protests”, sagt der Produzent und Multiinstrumentalist aus Austin. Er hat schlichtweg die sengend heißen texanischen Sommer, die angesichts des Klimawandels immer intensiver und länger werden, satt: „It’s a time of high bills, heat exhaustion, and avoiding the outdoors until the sun goes down, often well into November.“ Produktiv scheint Botany aber trotz Quasi-Selbstquarantäne zu sein.

Im September erschien seine erste LP seit vier Jahren, an der er hörbar lange herumgeschraubt hat. Sie bietet schön ausproduzierten, experimentellen Instrumental-Sound, der sich schwer kategorisieren lässt. Das ist auch der offiziellen Beschreibung anzumerken: „‘End the Summertime F(or)ever‘ is sample-studded mood board of bass-heavy abstract hip hop, spiraling psychedelia, and disco-house, that explores deep time, aging, societal upheaval, the afterlife, and the cosmic perspective as they appear through the distorting, relentless Texas heat“. Alles klar? Na bitte. Ach, übrigens: Ebenfalls nicht vorenthalten möchten wir der Exorzismus, den Botany anlässlich der turbulenten Zeiten anwendet: „You’re off by yourself / in a quiet place / picture the Earth / as seen from Space / it’ll be so groovy / it’ll be so great / at the end of summer / and the United States.” 

NxxxxxS – Blood Rage

Mangelnde Konstanz kann sich NxxxxS nicht vorwerfen lassen. In den Vorjahren brachte er stets einen Longplayer raus, auch heuer setzt er die Serie dank des kürzlich erschienenen „Blood Rage“ fort. Der Pariser Produzent spult sein gewohntes Programm ab und bietet mit seinen smoothen, catchigen Tracks wenig Raum zu Kritik – er ist eben eine Bank, was gepflegte 808-Instrumentals betrifft. Dementsprechend entwickelte er sich längst zum Star diverser Phonk/Vaporwave-Playlists, in die es wohl auch einige Tracks seines neuen Albums schaffen dürften. Die szenetypische „Strictly Indiependent“-Haltung wird NxxxxxS dennoch auch Jahre nach der SoundCloud-Hochphase sowie einer erfolgten Professionalisierung hinsichtlich Equipment und Vinyl-Releases kaum ablegen. So hat er auch bei „Blood Rage“ alles selbst in die Hand genommen – inklusive Vertrieb über seine Synthetic Corporation. Ausgenommen sind lediglich einige Features von Freunden wie Freddie Dredd oder Soudiere sowie von Fiend, einem Rap-Veteranen aus New Orleans.

Quakers – Supa K: Heavy Tremors

Na, wer kennt sie noch, die Quakers? Die Supergroup hat 2012 mit Unterstützung von Gästen wie Jonwayne, Guilty Simpson, oder Dead Prez ihr selbstbetiteltes Debütalbum via Stones Throw veröffentlicht – als Hybrid aus einem Produzentenalbum und Beattape. Hauptprotagonisten waren Katalyst sowie die einst maßgeblich am Portishead-Sound beteiligten Geoff Barrow (aka Fuzzface) und 7-Stu-7, quasi als experimenteller Brückenschlag zwischen Bristol, L.A. und Detroit. Etwas überraschend kam es im September zu einem zweiten Quakers-Release. Doch zu früh gefreut, denn es handelt sich eigentlich um ein Solo-Projekt von Katalyst, der sich nunmehr Supa K nennt. Aber immerhin: Mit 50 Beats in unter 50 Minuten gelingt ihm ein kurzweiliges Beattape. In der Zwischenzeit sind bereits Singles mit Sampa The Great und The Koreatown Oddity erschienen, die als Vorboten des im November scheinenden Albums „Quakers II: The Next Wave“ dienen. Diesmal wohl in voller Besetzung. Das könnte ja noch spannend werden.

Gitkin – Safe Passage

Wer psychedelischen Instrumental-Sound à la Yīn Yīn oder Khruangbin schätzt, wird auch mit Gitkin einiges anfangen können. Als Bandleader der Party-Rock-Band The Pimps Of Joytime ist der US-Multiinstrumentalist (Hauptinstrument: Klampfn) bereits seit gut einem Jahrzehnt aktiv. Dass er dabei viel herumgekommen ist, ist seinem zweiten Soloalbum nach „Five Star Motel“ anzuhören. Gitkin setzt auf organische Funk/Surf-Rock-Klänge, die er mit diversen internationalen Einflüssen vereint – von orientalischen und südostasischen Melodien über Sahara-Rock bis hin zu Latin-Grooves. Den gitarrenlastigen Sound runden etwa Chauncey Yearwood an den Congas, Clifton Smith aka Spug am Sousafon, einer Abwandlung der Tuba, sowie auf drei der Tracks Sängerin Carol C von der Downtempo-Band Si*Sé ab. Am Ende stehen elf Tracks mit viel Suchtpotenzial, über das New Yorker Label Wonderwheel Recordings auch auf Vinyl erhältlich.

Shuko – Jazzterfield

Seit gut 20 Jahren ist Shuko maßgeblich an zahlreichen Releases im Deutschrap-Universum beteiligt, wenngleich sein Name nicht so präsent ist, wie er sein könnte. Cro, Kollegah, Casper, Olexesh, Juju, Dendemann, sowie international unter anderem Chance The Rapper, Nipsey Hussle, oder Young Thug. Die Liste ist endlos lang. Letztes Jahr veröffentlichte er zusammen mit The Breed (mit dem er auch den sehr empfehlenswerten Podcast „Beats & Treats“ macht) das eher sommerliche „Dippin'“, mit „Jazzterfield“ erschien nun sein neues Soloalbum. Wobei solo auch nicht ganz stimmt, schließlich finden sich auf fast allen Tracks Features von Produzenten wie Hubert Daviz, Kid Tarô oder Ruck P. Auf einer SP1200 entstanden so 12 Tracks, die sich am Sound der Golden Era anlehnen und in einem Fall auch mit dem Saxofon von Anthony Drawn ergänzt werden.

Ike Slimster – Everything Is Fine

Das Schaffen von Ike Slimster lässt sich wohl am besten als Kunst mit vielen Facetten zusammenfassen, er selbst als Tausendsassa. In Lagos aufgewachsen und als Jugendlicher in die USA emigriert, widmet er sich seither diversen Sparten. Zur Palette gehören Gemälde, Grafikdesign, Filmproduktionen, Comedyprogramme und eben Beats. Eine Selbstverständlichkeit also, dass Ike Slimster das Artwork seiner Werke selbst übernimmt. Videos zu seinen Tracks gibt es bis dato aber keine. Musikalisch setzt er nach einer längeren Auszeit – sein Album „Élan vital“ hat mittlerweile sechs Jahre am Buckel – auf eine Neuausrichtung. Anstatt wie bisher Soul-Samples mit einigen Layern zu kombinieren, geht es nun in eine sehr percussionlastige Richtung. Die Beats auf „Everything Is Fine“ bieten nach Eigenaussage „Afro Soul Dance Sounds“, sie fallen entsprechend catchig und teils tanzbar aus. Zehn clean produzierte Tracks mit angenehmen Vibes.

Aver – An Ode To Joey Deez

Dass sich Village Live Records in den vergangenen Jahren zu einem renommierten Instrumental-Label entwickelt hat, ist auch Joey Deez zu verdanken. Ende Juni verstarb der Mitbegründer des britischen Labels überraschend. Schon mehrfach auf Village Live vertreten war Aver. Der Mancunian begann die Arbeit an seinem jüngsten Werk in einer Zeit des Schocks zwischen Deez Ableben und dessen Begräbnis, es ist als Hommage an einen verstorbenen Freund und Kollegen konzipiert. Die sich durchziehenden Handy-Benachrichtigungstöne und Sprachnachrichten stammen aus der Lockdown-Zeit, als die beiden sich viele Entwürfe und Pläne hin- und hergeschickt haben. Avers Spezialität sind hörbar Drum Breaks, mit denen er dem melancholisch-jazzigen Boombap-Sound viel Leben einhaucht. Selbiges wird bei seinem Freund leider nicht mehr möglich sein, auch wenn er durch das Tribut-Album noch einmal auflebt. Alle Einnahmen des auch auf Vinyl erhältlichen Albums gehen an die Familie von Joey Deez. R.I.P.!  

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KarmawiN – Crossway

Auch wenn POSTPARTUM. sich in den letzten Jahren vollkommen zurecht mittlerweile zur Speerspitze im deutschsprachigen Raum hochgearbeitet hat, gab es zeitweise ein Gefühl der Übersättigung, weil einfach zu viel in kurzem Abständen releast wurde und man dadurch kaum Zeit hatte, die einzelnen Releases für sich stehen zu lassen. Das ist zum Teil persönliches Empfinden und betrifft viele Labels in dem Bereich, die objektive Qualität hat auch nie darunter gelitten. Mittlerweile veröffentlicht PPT auch vermehrt Rapalben und konzentriert sich nicht ausschließlich auf Instrumentals, was der Vielfalt ebenfalls gut tut. Mit KarmawiN tritt jetzt jedoch ein alter Bekannter auf den Plan und veröffentlicht rund zweieinhalb Jahre nach dem Vorgänger „Noir“ das Album „Crossway“.

Flughand – ili

In den vergangenen Jahren, haben wir hier hunderte Alben besprochen. Viele davon geraten leider in Vergessenheit, allerdings blieb mir insbesondere das 2016 erschienene „Gudina“ von Flughand im Gedächtnis. Das Gesamtwerk aus handgezeichneten Covern, Laidback-LoFi mit Millionen von Spotifyklicks, ohne auf der Straße erkannt zu werden und die „peaceful weibs“ der Musik zieht sich durch die gesamte Diskographie, die nun um „ili“ erweitert wurde. Never change a running system.

DJ Yung Vamp – Die Trill Vol. 3

„Light a fat blunt and get educated!“ – mit diesen Worten liefert DJ Yung Vamp quasi den Serviervorschlag zu seinem jüngsten Streich. Er veröffentlichte Anfang September Teil drei seiner „Die Trill“-Reihe. Im Intro sorgt der Belgier mit Unterstützung von DJ Smokey einen schönen Phonk-Banger, der obligatorisiche Track mit Soudiere ist ebenso vertreten. Auch wenn smoothere Produktionen wie „Walkedin“ folgen, fällt das Tape insgesamt ein ordentliches Eck härter als bei seinen erwähnten Freunden aus. Yung Vamp verortet sich eben etwas mehr in der Trill-Ecke, wie schon der Titel verrät. Ausgestattet mit durchwegs tiefen Bässen, hätten seine Tracks bei der Ausgestaltung – so fein die Hi-Hats und Drums auch klingen – aber ein wenig mehr Varianz vertragen können.

Dezi-Belle

Die Veröffentlichungen von Dezi-Belle waren im September vergleichsweise überschaubar. JuSoul und Boshi bringen jeweils vier Track starke EPs, die in einer Kleinstauzflage auch als 7″ erschienen sind. Das einzige größere Release kommt von 2zg-Member Hentzup, der mit „1993,5“ den Nachfolger von „1993“ veröffentlicht, welches 29 Beats auf 2 LPs umfasst und bei der Länge wenig verwunderlich neben einigen austauschbaren Beats auch viele Highlights setzen kann (u.a. „bumps_dips“, „verkehr“).

Krisengebeat – Versatile Style

Krisengebeat, dessen Namen ich nach genauerer Überlegung nicht so cheesy und stylischer als ursprünglich erwartet finde, veröffentlicht mit „Versatile Style“ sein Debüt auf physischem Tonträger beim UK-Label The Get Down Records. Besonders herausragend ist das Konzept, bei dem verschiedene DJs die Beats mit ihren Scratches erweitern und ihnen so eine persönliche Note geben, „Versatile Styles“ ist also nicht nur Name, sondern auch Programm.

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