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Bloody: Mit dem Bier zum Beef

Bloody: Mit dem Bier zum Beef

Wenn man auf Hip Hop Parties in Wien geht ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man im Publikum auf Bloody stößt. Selbst rappt der Meidlinger auch: auf serbokroatisch. Jüngst erschien sein erstes Soloalbum „Dirty Daddy“. In einer Mischung aus Wordrap und Interview (serbokroatische Version) erzählte er dabei mit teilweiser Übersetzungshilfe von Kid Pex unter anderem von gestohlenen Sonnenbrillen, der Emigration und warum er zur Nummer 1 in einer serbischen Radiosendung wurde.

TM: Dirty Daddy.
Bloody: Zum Dirty Daddy wird man, wenn man 1000 und eine Nacht Aktion gemacht hat. Von der Party zur Arbeit, von der Arbeit zur Party in ständiger Mischung. Ich bin nicht nur Dirty, sondern auch Daddy. Also auch verlässlich und pünktlich.

Du bist ja sonst auch sehr auf Hip Hop Parties in Wien präsent, hast du da irgendwelche Favoriten?
Ich bin auf jeden Fall ein Head. Leopold, Roxy, Message Party, Würstelstand Bricks-also Luluvic´s Zuhause. Die Wiener Szene wird zwar immer stärker. Das Traurige ist, dass es zwar viele Rapper gibt, aber wenig Jams. Vor circa drei Jahren war in Wien noch viel mehr los.

Eigentlich bist du ziemlich spät erst nach Wien gekommen, oder?
Ja mit 18 aus einem Dorf namens Poradin mit nur 1500 Einwohnern. Und es werden noch weniger. Die jungen Leute gehen immer mehr ins Ausland. Mittlerweile ist Wien meine Heimat. Die Heimatstadt ist nicht dort, wo man geboren ist, sondern dort wo man lebt.

Wieso rappst du?
Wenn ich auf jemanden sauer bin, fällt es mir leichter das auf Papier zu schreiben. Auch um meine Leute und mein Umfeld ein bisschen zu beschreiben. Ich schlag nicht Leute auf der Straße, sondern den Beat. Vor Rap habe ich noch Karate gemacht und viel Fußball gespielt.

Apropos Fußball…
Partizan! Mein Herz ist schwarz weiß.

Gibt es Rapper aus der Partizan Fanszene?
Nur Hooligans, die ausschließlich über Partizan und Fußball rappen.

Schule.
Ich kann mich erinnern, dass ich bis zur 2. Klasse Gymnasium ein guter Schüler war. Dann hat man mich rausgeschmissen und ich wurde versetzt. Im letzten Schuljahr bin ich nach Wien gekommen. Das war meine beste Lebenszeit, vor allem am Anfang.

Wieso beste Lebenszeit?
Hier konnte ich mehr verwirklichen, als in der kleinen serbischen Provinz. Konnte mehr Leute kennenlernen, mehr verbinden. Ich habe eine Arbeit gefunden und musste nicht mehr auf die langsamen und seltenen serbischen Busse warten.

Hood Romantik.
Meine Hood ist Meidling. Ich beschreibe in der Nummer „Hodd Romantik“ ein Mädchen, dass immer wieder an meinem Fenster vorbeigeht, während ich gerade auf die Straße schaue und sie sehe. Sie beachtet mich aber überhaupt nicht. Am Ende schmeißen die Jungs aus der Hood Steine an ihr Fenster. In der Hood gibt es eben nicht nur Aggressivität, sondern auch Romantik.

Gold Ketten.
Typisch für Gangster, aber Silber ist ok.

Du trägst ja auch immer wieder eine. Ist die echt?
Ja mit meinem Logo. Bloody Dape, das ist von meinem Namen abgeleitet.

Patriotismus.
Ich schreibe meine Texte auf kyrillisch. Ich bin kein Nationalist, aber ich liebe mein Land.

Was war dir auf deinem Album wichtig?
Die Nummer Acht „Za moj kraj“ (Für mein Land) war mit ein besonderes Anliegen. In ihr beschreibe ich meine serbische Vergangenheit und die Wiener Gegenwart. Sie wurde in Serbien bei der Radiosendung „Geto Kartel“ auf Nummer 1 gewählt. Auf „Realnost“ rappe ich darüber wie schwer das Leben für die jungen Leuten in Serbien ist. Dass sie schon meist mit 22, 23 ihren ersten Niedergang haben. Es gibt tausend politische Wahlen, aber keine ist die richtige. Die letzte Nummer ist mit South Side aus dem Süden Serbiens. Da habe ich noch einmal die Connection mit Serbien betont.

Wieso ist gerade die Nummer „Za moj kraj“ in Serbien auf besondere Aufmerksamkeit gestoßen, obwohl sie bisher keine offizielle Single war?
Wahrscheinlich weil sie einen Nerv trifft. Sehr viele Leute können sich damit identifizieren. Wenn man in meinen Ort kommt, sieht man bei der Hälfte der Autos Wiener Kennzeichen, bei der anderen Hälfte Salzburger. Das sagt viel über das Leben dort aus. Auch die Leute die noch unten sind…da hat jeder irgendwen von seinen Nächsten der ins Ausland gegangen ist. Die, die noch dageblieben sind, representen aber auch alle die „Wien Oida, Beč Oida“ T-Shirts und tragen sie mit Stolz. Das Lied wird auch von älteren Leuten viel gehört. Auf der einen Seite hat die ganze Emigration einen traurigen nostalgischen Nachgeschmack. Auf der anderen ist es auch besser für die jungen Leute ins Ausland zu gehen, weil sie dort größere Chancen haben.

Hat es zur ersten Video Auskopplung „Samo Ja“ ein Konzept gegeben oder war es Improvisation?
Irgendwo dazwischen. Es war spontan gemacht, der Plan war aber doch zu zeigen wo sich mein Leben abspielt.

httpv://www.youtube.com/watch?v=sL91wGNrV9c 

Das Video hat ja Phil Fin gedreht, der sonst für die Penetrante Sorte rappt und bei Deine Mutter Records ist. Kid Pex ist auch bei DMR. Wieso ist dein Album dann über März Records erschienen?
Wegen DJ Phlow, der die meisten Beats auf meinem Album produziert hat. Er ist auch aus Meidling. Beim Label sind auch viele gute Leute. Wie zum Beispiel Faun (Anm.: Ex-Rooftopclique). Holy Moly leitet das Label. Er war früher bei „Das Medium“, das gibt es aber nicht mehr.

See Also
Foto: Lara Heußner

Kommen noch weitere Videos?
Für die angesprochene „Za moj kraj“ Nummer entsteht gerade eines.
Kid Pex: Da habe ich ihn gestern gedreht. Bloody hat jetzt selber eine Kamera gekauft.
Bloody: Wir haben nicht viel Geld, aber viele Ideen.

Versuchst du so wie Kid Pex, deine CD´s auf der Straße beziehungsweise bei Konzerten zu verkaufen?
Bloody: Ja sicher.
Kid Pex: Aber er braucht noch Übung (lacht).

Du bist schon lange seit einigen Jahren Back Up von Kid Pex. Ihr habt ziemlich viele Konzerte gespielt, auch in den anderen Bundesländern. Gibt es da Unterschiede?
Das Publikum ist zum Beispiel in Vorarlberg oder im Burgenland wesentlich lebendiger als in Wien. Wir werden dort immer besser aufgenommen und die Resonanz ist größer.

Wieso ist das so?
Die Leute sind nicht so verwöhnt und übersättigt. Dort hast du auch nicht so viele Hater wie in deiner eigenen Stadt.

Hattest du ja irgendwelche besonders markanten Erlebnisse?
Im Burgenland war es besonders cool. Das Publikum hat die Texte mitgerappt. Und am Ende mussten wir bei einer Rockband in ihrem Proberaum an der Wand unterschreiben, neben Mono &Nikitaman und Ostbahn Kurti. Bei einem anderen Konzert im Burgenland bei Neusiedl am See haben mich irgendwelche Frauen angegriffen und meine Sonnenbrille gestohlen.

Wie konnte das passieren?
Vielleicht war ich zu sexy (lacht).

Hast du in Wien besonders schlechte Erfahrungen gemacht mit Hatern?
Bloody: Ich bin es mittlerweile gewohnt Drohanrufe und Droh SMS´zu bekommen.
Kid Pex: Wir wissen eigentlich auch immer wer das ist. Die Leute sind einfach zu frustriert. Das Lustige ist ja, dass die Leute die uns vor drei, vier Jahren gedroht haben, uns jetzt Props geben.
Bloody: Ich nehme das locker und es motiviert mich noch mehr. In „Samo ja“ sage ich ja auch, dass ich zum Beef mit Bier komme.

Interview: Jan Braula
Foto: Bloody