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Casper auf den Spuren von Moby: „Alles war schön und nichts tat weh“ // Video

Casper auf den Spuren von Moby: „Alles war schön und nichts tat weh“ // Video

Am 25. Februar 2022 veröffentlicht Casper mit „Alles war schön und nichts tat weh“ sein fünftes Studioalbum. Beim opaken Albumtitel könnte es mancherorts klingeln – vor allem, wenn er in das Englische übersetzt wird. Casper ist nämlich nicht der erste, der sein musikalisches Werk so benennt. Vor ihm nannte etwa Moby, Kultfigur im Bereich der elektronischen Musik und Schmied zahlreicher Rave-Klassiker, sein 15. Studioalbum „Everything Was Beautiful, and Nothing Hurt“. Die Inspiration für den Titel seines 2018er-Werks fand Moby, der wie Casper Hardcore-Punk-Wurzeln hat, bei dem Antikriegs-Roman „Slaughterhouse-Five“ (1969) des amerikanischen Postmodernisten Kurt Vonnegut vor.

Von Kurt Vonnegut …

Dort stammt besagter Satz vom Hauptprotagonisten des Romans, dem Soldaten Billy Pilgrim. Dieser wird von seiner Ehefrau Valencia nach seinen Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs gefragt. „Everything was beautiful, and nothing hurt“, denkt sich dieser – was im starken Kontrast zur Realität steht, befand sich Billy Pilgrim in Kriegsgefangenschaft der Nazis im bombardierten Dresden.

Für die Bedeutung des Zitats gibt es verschiedene Interpretationen. Manche sehen darin den Ausdrucks des schwarzen Humors oder der satirischen Seite des Autors, der in dem Roman auch seine eigenen Erfahrungen als Kriegsgefangener verarbeitete. Für Billy Pilgrim war schließlich nichts schön, und alles tat weh. Andere vermuten darin schlichtweg Billy Pilgrims Flucht in eine alternative Wirklichkeit, veranlasst durch die Schrecken des Kriegs.

… zu Moby und Muff Potter

Moby ließ das Zitat nicht los: „I came across that quote and there was just something about it, the sort of utopian simplicity of it really struck me“, meinte dieser 2018 in einem Interview mit HMV. Moby ist dabei der wohl populärste, aber nicht der einzige Kunstschaffende, der sich von diesem Satz aus Vonneguts Roman inspirieren ließ.

In Deutschland taufte die Punk-Band Muff Potter schon 2009 einen Song „Alles war schön und nichts tat weh“. Die sind übrigens keine Unbekannten im Casperversum: So baute der Bielefelder Musiker bereits auf seinem letzten Album „Lang lebe der Tod“ (2017) mit dem Song „Wo die wilden Maden graben“ eine Muff-Potter-Referenz ein, lautet so auch der Titel des 2007 erschienenen Buchs von Muff-Potter-Sänger Nagel.

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Titeltrack mit „Hinterland“-Vibes

Egal, woher Casper die Idee für den Titel nun hat: Er passt in seine Diskografie. Was sich stilistisch dahinter verbirgt, darauf gibt die erste Video-Single und zugleich Titeltrack eine erste Antwort. Verglichen zum düsteren Vorgänger versprüht „Alles war schön und nichts tat weh“ einen ganz anderen Vibe. Streicher, Piano und die Gospel-Anleihen führen einen gedanklich ins „Hinterland“ (2013) – also dort, wo sich Casper vor „Lang lebe der Tod“ befand. Begleitet wird dieser Ausflug von den Klängen eines Banjos, das hier ebenfalls zum Einsatz kommt. Ein Stück weit ungewöhnlich sind Caspers Gesangspassagen ohne seine charakteristische Reibeisen-Stimme. Raus aus der Komfortzone, war hier wohl das Motto.

Herzstück des Tracks, der mit Zeilen wie „Im Kopf in der Zukunft und im Herzen in der Vergangenheit“ Einblicke in Caspers mentalen Zustand gibt, ist die Bombast-Hook: „Ich explodier!“, schreit hier Casper. Eine Hook, die bei Live-Auftritten hervorragend funktionieren wird. Produziert wurde der Song von Max Rieger, der in den vergangenen Jahren mit seiner Post-Punk-Band Die Nerven für Furore sorgte. Das Video stammt von Casey Campbell, Beat Gottwald und Casper selbst, die als Trio auch schon für das Video zu „Flackern, Flimmern.“ aus „Lang lebe der Tod“ verantwortlich waren. Gezeigt wird Casper auf einer friedlichen kleinen Blumen-Insel im stürmischen Ozean, deren Idylle sich jedoch als trügerisch herausstellt.