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Dilated Peoples – Directors of Photography

Dilated Peoples – Directors of Photography

Dilated Peoples
(Rhymesayers/VÖ: 11.August 2014)

Ganze acht Jahre hat es gedauert, bis die kalifornischen Backpack-Heroes von den Dilated Peoples endlich wieder ein Album auf dem Markt bringen. Obwohl, wenn man ehrlich ist: Richtig weg waren die Jungs nie. Vielmehr feilten alle drei an ihren Solokarrieren – Evidence setzte mit „Cats & Dogs“ vor drei Jahren ein richtig dickes Ausrufezeichen und lieferte zuletzt mit seinem Bruder im Geiste, The Alchemist,  endlich das lang angekündigte „Step Brothers“-Album ab. Kritikerlob inklusive. Nebenbei platzierte er noch zahlreiche Beats auf den Alben befreundeter Kollegen (u.a. Sean Price, Apathy und Infamous Mobb) und arbeitete sukzessiv an seinen Fähigkeiten als Produzent. Auch Rakaa versuchte sich solo – wenn auch weit zurückhaltender als sein Bandkollege. Qualitativ jedoch konnte er mit seiner Solo-LP „Crown of Thorns“  (die allerdings auch schon ein Alter von vier Jahren vorzuweisen hat) durchaus Schritt halten. Und abschließend war auch DJ Babu nicht untätig: Zwei Editionen des „Beat Tapes“, das Produzentenalbum „Duck Season Vol. 3“ sowie zahlreiche Auftritte als DJ – auch Melvin Babu konnte nicht über Langeweile klagen. Jeder hatte also nebenbei sein eigenes Geschäft am Laufen, wodurch sich die neue Platte „Directors of Photography“ eben so lange hinauszögern musste. Andererseits liegt vielleicht darin genau das Erfolgsgeheimnis der Platte: Man merkt, dass sich hier jemand richtig Mühe gegeben hat. Kein Schnellschuss, sondern ein lang geplantes, bis ins kleinste Teil akribisch ausgearbeitetes Stück Musik.

 „I’m focused now, thoughts wandering through my sins/ Fish-eye, bird’s-eye, viewfinder third eye/ High-definition, high-resolution words fly/ Riots for celebrating the game/ Then live via satellite Laker parades/ Danger in the pit, are they dancing? Are they fighting?/ I block off the angles then adjust lighting/ Don’t believe I touch thunder and lightning/ Until they see the miracles pictures, then I’m frightening/ We just capture the facts/ Dilated never left, I’d like to welcome us back/ Directors“

 (Rakaa in „Directors“)

 „Directors“ zeigt als erster Track, dass die Jungs definitv back sind, obwohl es eben heißt: „Dilated never left, I’d like to welcome us back“. DJ Babu übernimmt die Hook, Evidence und Rakaa teilen sich das Mic. So soll es sein und so geht es weiter – das klassische Dilated Peoples Rezept wurde auch auf „Directors of Photography“ beibehalten: Die Kalifornier klingen immer noch wie eine Gruppe von der Ostküste (am eindringlichsten zu hören auf dem knüppelharten „The Reversal„). Und wie es sich gehört, braucht man dazu auch einen Premo-Beat, den der Produzentengott in „Good As Gone“ beisteuert. Die Nummer ist zwar nichts Aufregendes und zählt auch sonst eher zu den schwächeren – allerdings erinnert der Track einen an die alten Großtaten, bei denen eben auch Premo mitwirkte. Der Vorwurf, die Dilated Peoples würden wie Premier ihr altes Rezept immer wieder aufs Neue, ohne etwaige Variationen, aufkochen, kann teilweise entgegnet werden: Natürlich besteht die Grundessenz weiterhin, allerdings wird das alles in einem zeitgemäßen Gewand verpackt. Ihr gewohntes Händchen für Hymen ging aber nicht verloren, wie am besten der Track „Show Me The Way“ mit Aloe Blacc beweist. Ein Vergleich mit dem letzten Album zeigt auch, dass sich die Jungs auch lyrisch weiterentwickelt haben – Evidence und Rakaa haben sich nicht auf ihre 2006er Lorbeeren ausgeruht.

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 I say hello to my people, hello to the day/ I watch the world on wheels, hit the yellow and gray/ The ones don’t work are the ones don’t eat/ And once again, from the city where that sun don’t sleep/ It’s time to get live because the terms are breached/ Ride the wave like the world is a beach, learn more I teach/ I was raised by N.W.A and stayed CA/ All day, same story difference brief case/ I’m nonchalant to others peddling weight/ I got a purpose to serving up and settle my state/ Been through it, all of it great/ Put the ruler to the movement, all of it straight/ Big fish? Even all of them bait/ One love, one dish, see ‘em all on my plate/ I’ll take the lady on a vacay, she call it a date/ Now she calling in sick, now she calling in late“

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 (Evidence in „Show Me The Way“)

DJ Babu meinte jüngst, dass es sich bei „Directors of Photography“ möglicherweise um das letzte Dilated Peoples-Album handeln könnte. Obwohl dies natürlich schade wäre, könnte die LP als Schlusspunkt einer mit vielen Highlights gespickten  Diskografie  durchaus herhalten: Die Beats bangen wie gewohnt, Evidence und Rakaa zeigen sich lyrisch immer auf hohem Niveau und DJ Babus Fähigkeiten entbehren sowieso jeglicher Beschreibung (wer sie benötigt, der höre nur in „Figure It Out (Melvin’s Theme)“ rein). Vielleicht fällt „Directors of Photography“ nicht ganz so eingängig aus wie die anderen Platten, wirkt sie doch um einiges härter und düsterer als die Vorgänger und wird so nicht jeden beim ersten Mal gleich vollends überzeugen. Wer sich aber die Zeit nimmt und der Platte mehr als einen Durchgang gönnt, wird definitiv auf seine Kosten kommen.

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(thomki)