"The hardest thing to do is something that is close…
Der New Yorker Kurtis Blow war nicht immer ein großer Sympathieträger. Bei seinem jüngsten Gastspiel im Wiener Gartenbaukino war das aber ganz anders.
Kurtis Blow (66) ist jemand, dem man ohne große Bauchschmerzen den Titel „Legende“ anheften kann. Denn er hat in vielerlei Hinsicht HipHop-Pionierarbeit geleistet: Er ist der erste Rapper, der von einem Major-Label (Mercury Records, 1979) gesignt wurde. Er ist einer der ersten US-Rapper, die in Europa auf Tour gingen. Und er ist der erste Rapper, der eine Goldauszeichnung verbuchen konnte (für „The Breaks“ im Jahr 1980). In seiner Karriere hat er zudem mit illustren Persönlichkeiten wie Whitney Houston oder Bob Dylan („Street Rock“ mit Rap-Part von Dylan) zusammengearbeitet. Bei diesen Meriten nicht die Bodenhaftung zu verlieren, ist eine Herausforderung.
Als Kollege Daniel Shaked Kurtis Blow 2012 traf, schien er sie tatsächlich verloren zu haben: „Arrogant, unkooperativ, vollkommen in einer kindischen HipHop-Klischee-Welt gefangen und überhaupt nicht dazu zu bringen, die Finger und Hände vor lauter Posen einmal in Ruhe zu lassen“, schilderte er seine damalige Begegnung. Das zeichnet das Bild eines durch und durch unsympathischen Rap-Dinosauriers, der für seine Pionierarbeit gottgleiche Verehrung erwartet.

Vielleicht hatte er aber nur einen richtig schlechten Tag. Oder er ist mittlerweile charakterlich gereift – denn mehr als ein Jahrzehnt später präsentiert sich Kurtis Blow in Wien von einer ganz anderen Seite. Anlässlich eines Screenings des 1985er-Films „Krush Groove“, bei dem Blow mitwirkte, weilt er Mitte Februar 2026 im Wiener Gartenbaukino. Dort zeigt sich der Herr in Bling-Bling-Optik nicht nur beim Post-Film-Interview mit Trishes – der (dankenswerterweise) Blows religiöse Suada zum Ende des Gesprächs freundlich, aber bestimmt abbricht – gut gelaunt.
Kurtis Blow auf Tour heißt Family Business
Auch auf der nachfolgenden After-Show-Party hat Kurtis Blow Unterhaltungswert. Zugegeben: Die Setlist hat stellenweise den Charme der Playlist eines USB-DJs in einer ländlichen Großraumdisco der 00er-Jahre. Schließlich performt der Herr im weißen Anzug mit plakativer HipHop-Aufschrift auf der Brust neben eigenen Werken auch Songs aus dem HipHop-Hyper-Hyper-Portfolio. Bei den Gassenhauern „California Love“, „Party Up“ oder „The Next Episode“ hilft das Playback tatkräftig mit. Die Animationen („Nanananana“, „I say ‘hip‘, you way ‘hop‘“) erinnern hingegen an Après-Ski, passend zum Schneefall vor den Toren des Kinos. Aber der Mann auf der Bühne scheint komplett mit sich im Reinen. Vielleicht auch deswegen, weil die Crowd viel Liebe zeigt – für Kurtis Blow, aber eben auch für die HipHop-Kultur.

Apropos Liebe: Mit dabei in Wien ist seine Frau Shirley, mit der Kurtis Blow seit über 40 Jahre verheiratet ist. Auf der Bühne unterstützen ihn seine beiden Söhne Kurtis Blow Junior (als Back-up) und Martin als DJ. Letzterer ist, wie der Vater stolz verkündet, ein Alumni der renommierten Stanford University. Insgesamt eine herzliche Veranstaltung, die das Oberhaupt der Hip Hop Church dargeboten hat – und ein „Hello Germany, hello Vienna, how are you?“ wie vor 14 Jahren blieb diesmal zum Glück auch aus.
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