Now Reading
„Wir sind nicht bei Erkan und Stefan“ // Liquit Walker Interview

„Wir sind nicht bei Erkan und Stefan“ // Liquit Walker Interview

EZZKAH - Steven Siebert
EZZKAH – Steven Siebert

Liquit Walker erschien das erste Mal 2007 auf der Deutschrap-Bildfläche, als er bei „Feuer über Deutschland 2“ teilgenommen hat. Erst sechs Jahre später erschien schließlich sein Debütalbum „Unter Wölfen“, vergangenes Jahr dann die EP „Die letzte Träne“, mit der er eine weitere Seite seines Charakters präsentierte. Der Berliner Rapper hat einen unverkennbaren Flow und Authentizität steht bei ihm ganz oben – doch lässt sich sein Stil schwer ausmachen. Fluch oder Segen? Wir haben uns in BerlinFriedrichshain in seinem Stammlokal Burger Amt getroffen und dabei wurde schnell klar, dass die deutsche Hauptstadt genauso gemütlich ist, wie sie hektisch sein kann. Noch bevor wir das volle Lokal betreten, könnte man fast meinen, der Rapper hätte hier sein zweites Zuhause – Handschlag da, Handschlag hier. Zu Süßkartoffelpommes und hausgemachtem Burger sprechen wir mit Liquit Walker über Identität, Patriotismus und die Veränderung der HipHop-Kultur.

Interview: Ana Theresa Ryue

The Message: Auf Deinem Debütalbum „Unter Wölfen“ hast Du technisch und thematisch einige Facetten ausgepackt. Inwiefern wolltest du damit zeigen, was du alles drauf hast?
Liquit Walker:
Witzigerweise ist es das erste Mal, dass ich diese Frage höre, obwohl mir das selbst auch klar war. Zum einen wollte ich mich nicht auf irgendetwas festlegen. Ich hatte keinen Bock auf einen Executive Producer oder so was. Es sind 15 Tracks und 7 verschiedene Produzenten auf dem Album. Jumpa hat zwar den Ton vorgegeben, aber da waren auch Beats von X-Plosive, 7inch, DJ Desue, Johnny Pepp und so weiter.

Zum anderen wollt ich zeigen, dass ich verschiedene Sachen bedienen kann, obwohl ich auch von vornherein wusste, dass es das Album nicht so stimmig erscheinen lässt. Da waren Tracks drauf, die ich im Kopf schon so zwei bis drei Jahre mit mir rumgetragen habe und die ich einfach nicht verwerfen wollte. Da habe ich gesagt: „Scheiß drauf, ich will jetzt alles, was für mich als Person und als Rapper wichtig ist, draufpacken.“

vielleicht auch, dass man dich nicht gleich in eine Schublade stecken kann?
Leute brauchen das. Die müssen dich in irgendeine Schublade stecken können. Bei mir funktioniert das leider wirklich nicht so gut, demnach ist das manchmal auch ein Fluch.

Du warst von Anfang an straight und ehrlich in deinen Tracks und hast viel Persönliches preisgegeben. Ist Rap für dich auch Therapie?
Ja, definitiv. Ich schreibe über die Sachen, die mich beschäftigen. Ob ich das auf indirektem oder direktem Wege mache, sei dahingestellt. Aber jeder Track, den ich rausbringe, hat mit mir als Mensch zu tun und mit meinen Ideologien und Werten. Das macht es natürlich auch sehr schwer, am laufenden Band Tracks zu produzieren. Manchmal muss auch erst mal wieder was passieren im Leben, damit man wieder gute Musik machen kann. Ich bin leider keine Kunstfigur oder hab kein Image, das ich einfach abarbeiten kann.

Was heißt „leider“? Wärst du gerne eine Kunstfigur?
Zum Geldverdienen ist es auf jeden Fall einfacher. Wenn man die ganze Zeit mit einer Maske durch die Welt springt oder poppige Gute-Laune-Tracks macht, ist das okay, aber ich kann da nicht dahinterstehen. Deswegen fällt es mir schwer, so eine Musik zu machen. Gerade in den letzten zwei, drei Jahren sind die Privatperson und der Rapper sehr eng zusammengerückt. Das war auch schon mal anders, da hab ich versucht, cooler zu wirken.

Dein Deutschland-Bezug war vor dem Album immer wieder präsent und teilweise vielleicht auch irreführend. Im Track „Deutschrapkanakke“ erklärst du, woher das kommt und erzählst deine Geschichte. Glaubst du, war es auch für deine Hörer wichtig oder sogar notwendig, dass du dich so klar positionierst?
Was ich inhaltlich in „Deutschrapkanakke“ geschafft habe, habe ich früher nicht so verdeutlicht bekommen. Da kam das vielleicht anders rüber. Am Ende des Tages zeigt jeder seine Wurzeln auf. HipHop hat was mit Representen zu tun. Man representet seine Hood, seine Wurzeln, wo man herkommt. Es gab viel krassere Sachen, über die man sich aufregen könnte. Wenn ich dann sage „Zeig mir einen besseren Rapper mit deutschen Eltern“ und sich Leute daran aufstoßen, ist mir das auch recht. Das ist genau das, was ich aufzeigen will und in „Deutschrapkanakke“ später dann gemacht habe. Einfach zu sagen: Wenn du ein deutscher Rapper bist, dann musst du nicht zwingend so ein „Tobias“ sein. Du musst nicht mit deinem Backpack auf Cyphers gehen und über Politik und Kiffen rappen. Du kannst auch ein broker Motherfucker aus’m Hinterhof sein und einfach einen gewissen Lifestyle repräsentieren, ohne dass du gleich wieder Gangster sein musst und so tun musst, als wären alle Rapper aus der Unterschicht sprechbehinderte Migranten. Wir sind nicht bei Erkan und Stefan. Deswegen find ich es auch immer Scheiße, wenn Leute Deutschrap parodieren. Ich bin kein großer Fan von Karoline Kebekus und diesen ganzen Geschichten (grinst).

Warum war es dir so wichtig, das aufzuzeigen?
Weil ich mich raptechnisch auf einer Ebene bewegt habe, wo das völlig normal war. Nur weil die anderen Rapper keine Deutschen waren, ist mir das vielleicht nicht so aufgefallen. Das ist das Witzige daran, wenn mir dann jemand Rassismus unterstellen will. Ich habe das gemacht, weil ich mit dem ganzen verbitterten Deutschtum überhaupt nichts zu tun hatte. Die anderen Jungs haben gesagt: „Jetzt ist der Türke am Mic!“, „Hier kommt der Iraner!“, „Ich bin der krasseste Russe!“ und ich hab gesagt: „Hier kommt der Deutsche!“. Das war für uns vollkommen normal und alle waren cool damit. Die Deutschen waren es, die damit ein Problem hatten. War mir egal. Auch bei „Deutschrapkanakke“. Ich hab so viel Zuspruch bekommen, von Leuten, die das verstanden haben. Diese Deutschlandfahnen-Geschichte fand ich auch vollkommen irrelevant. Aber die Berlin-Flagge hat für mich immer eine große Rolle gespielt. Ich seh darin auch einen Competition-Gedanken. Ich geh‘ gern zum Fußball und seh die Competition, die es im Sport gibt, auch im Rap. Da gehört auch dazu, im Gästeblock zu stehen und Schals und Flaggen zu hissen. Und wenn ich Berlin repräsentieren will, dann repräsentier ich auch die Symbolik, den Bären, die Farben. Das habe ich in diesem „Berlin“-Video auch ganz exzessiv gemacht. Auf der anderen Seite habe ich auf dem Song „Mowgli“ zu der EP, wo ich diese ganze Unter-Wölfen-Thematik noch mal in irgendeiner Form ausgehebelt habe, die Zeile: „Keine Fährte, geh den Pfad aus Instinkt und halte statt einer Fahne nur die Nase in den Wind“. Soll heißen, ich versuch nicht mehr, irgendetwas zu repräsentieren, was sowieso nicht zu mir gehört und sowieso nicht hinter mir steht, sondern ich halt die Nase in den Wind und guck einfach, was es da sonst noch so gibt.

Die EP „Letzte Träne“, die du gerade erwähnt hast, kam 2015. Hat sich nach der positiven Resonanz und dem Erfolg von „Unter Wölfen“ ein gewisser Druck aufgebaut? Hattest du das Gefühl, du musst Erwartungen erfüllen?
Ja, definitiv. Jeder Künstler, egal aus welchem Genre, wird dir immer sagen: „Das zweite Album ist das schwerste.“ Und das ist definitiv so. Beim Debüt-Album ist man aufgeregt. Bei mir war es auch eine besondere Situation, weil ich schon so lange stattgefunden habe und schon so lange Teil einer Szene war, ohne irgendwas releast zu haben. Deswegen hatte ich ein bisschen diese Spannung. In irgendeiner Form will man einen Schritt weitergehen, man will sich aber nicht pseudomäßig verändern. Ich will mich auf keinen Fall irgendeinem Trend anpassen, auch wenn ich viele Künstler kenne, die das absichtlich gemacht haben. Generell sind Trends für mich der Feind. Entweder ich mach‘ einen, oder ich ignorier‘ ihn. Und ich wollt mir treu bleiben und trotzdem meinen Shit auf ein nächstes Level bringen. Und das hat eine Weile gedauert. Wir hatten eine extrem verrückte Soundfindungs-Phase, in der ich viel ausprobiert habe. Verrückte Experimente, mich über Sachen kaputtgelacht habe, an Sachen verzweifelt bin, Sachen, die mich deprimiert haben. Und dann hab ich alles, was unbrauchbar war, abgeschüttelt, nochmal von vorne angefangen und dann ist was richtig Gutes dabei rausgekommen. Und ich bin froh über das, was da passiert ist.

EZZKAH - Steven Siebert
EZZKAH – Steven Siebert

Dein Flow wirkt leichter als bisher und hört sich spielerischer an …
Ich habe mit meiner Stimme relativ viel herumexperimentiert, ja sogar halbwegs Singsang eingebaut bei einem Track. Sachen, von denen man früher nie gedacht hätte, dass man sie mal hinkriegt. Schuster bleib bei deinen Leisten, so ungefähr. (lacht) Ich bin mal rausgegangen und hab versucht zu malen. Das war direkt hier um die Ecke, Gärtnerstraße. Dann haben wir uns das am nächsten Tag angeguckt und es sah so Katastrophe aus, dass ich gesagt habe: „Das war das erste und das letzte Mal, dass ich ’ne Dose in der Hand hab…“ (lacht)

Wolltest du die HipHop-Elemente mal austesten?
Ich hab alles mal ausgetestet. Ich bin genauso schlecht im Breaken. (lacht) Ich kann Freeze, ich kann den B-Boys-Dance, so eine leichte Fuß-Kombi vielleicht, oder so einen Crip Walk. Aber alles, wo man auf den Boden muss – dafür bin ich zu ungelenkig. Aber ich kann ein bisschen beatboxen.

Produzierst du auch?
Nein, gar nicht. Das klingt dann so Teletubbie-mäßig. Bei mir ist die Reihenfolge circa so: Am besten kann ich rappen, dann kommt beatboxen, dann würd ich auflegen und scratchen nehmen und dann tanzen … und als Letztes wirklich malen. Da geht echt gar nix.

Ist Dein Umfeld generell HipHop-bezogen?
Definitiv. Ich bin das mal aus Spaß durchgegangen. Nur in meinem engeren Freundeskreis sind allein fünf DJs, drei Rapper, zwei, drei Produzenten. Also in irgendeiner Form ist jeder aus meinem Freundeskreis kreativ. Aber es ist nicht so, dass ich einen reinen HipHop-Freundeskreis habe. Das will ich auch nicht.

Ich habe vorhin ganz zufällig mitbekommen, dass das Album, das 2016 rauskommen soll, schon so ziemlich im Kasten ist …?
Niemand hat gesagt, dass bald ein Album rauskommt. Das hat die Straße erzählt. Ich weiß nicht, wie wahr das ist. (grinst) Nein, dass ich am Album sitze, ist kein Geheimnis. Und dass das bald kommen soll, auch nicht. Ich habe lange Zeit daran gesessen und es hat Formen angenommen.

Die jahrelange Präsenz in der Szene hat sich anscheinend bewährt: Beim Debütalbum gleich vier große Features mit Savas, Sido, Vega und MoTrip – das schafft nicht jeder. Darf man auch mit solchen Kalibern auf dem neuen Album rechnen?
Ich denke nicht, dass das in irgendeiner Form machbar ist. Es war auf der Platte auch mein Anspruch, mehr Liquit Walker zu geben als bei „Unter Wölfen“. Da waren fünf Features drauf, das ist ganz schön viel. Unabhängig davon: Wie will man das toppen? Das war ganz schön krass. Bis jetzt sieht es so aus, als wenn es keine großen Kaliber geben wird. Zumindest nicht aus der HipHop-Welt. Es kann sein, dass sich ein Gesangs-Feature auf mein Album verirrt. Es gab ein Ami-Feature, wo ich Bock drauf gehabt hätte. Aber Ami-Features sind auch schwierig. Das hat auch einen ideologischen Hintergrund. Egal wie viel Kohle ich auch privat gehabt hätte, oder wie viel Kohle mein Label ausgeben will – ich will für Geld kein Feature kaufen, ich kann das nicht.

See Also

hast aber selbst mal Features für Geld verkauft?
Ja, wenn Leute der Meinung sind, dass ihnen das wert ist. Ich verurteile das nicht per se. Aber weil wir vorhin ja schon geklärt haben, dass ich authentische Musik mache, die mit meinem Leben und mit mir als Mensch zu tun hat, kann ich auch nur Musik mit Leuten machen, die mit mir als Mensch was zu tun haben. Aber es war eben ein Rapper, dem ich mich trotzdem in irgendeiner Form nahe gefühlt habe. Und da haben wir angefragt, da kam aber bis jetzt noch keine Rückmeldung. Das wird wohl eher nix. Da kann man auch ganz offen zugeben, dass man wegignoriert wurde. Aber ich habe auch wirklich sehr hoch gegriffen. Ich kann leider nicht sagen, wer es ist. (grinst) Tief in mir drin ist ein dicker, fetter, weißer Cowboy und der will raus. Deswegen kann ich mit der ganzen Südstaaten-, Trailerpark-, Rednack-Mentalität so gut. Mein Vater hört auch Country-Mucke. Motorräder, Gitarren, Cowboystiefel. Das ist alles nichts, was mir fremd ist. Krass, oder? Würd man gar nicht denken (lacht). Also ich hätte da voll Bock drauf gehabt.

Wie kann man sich deine Studioarbeit vorstellen? Haust du die Tracks mit One-Take-Aufnahmen rein oder wirst Du Deinem Spitznamen „Diva“ gerecht und bist eher perfektionistisch?
Das mit der Diva stimmt schon ein bisschen. Deswegen hab ich auch von meinem ersten Verlagsvorschuss, den ich bekommen habe, nicht wie andere Rapper den Schritt gewagt und mir einen gebrauchten 3er-BMW gekauft, um ein‘ Heißen in der Hood zu machen. Sondern ich hab mir eine Immobilie angemietet und ein Studio gebaut. Ein Studio, wo es ’ne Dusche gibt und ’ne Küche. Und wo genug Platz ist, dass ich rumlaufen kann. Ich lauf beim Schreiben immer rum. Wenn mich dabei jemand sehen würde, würde er denken ich bin geistig zurückgeblieben. Ich sehe dann immer aus wie ein Autist. Kennst du Harry Potter? Weißt du, was Parsel ist? Diese Schlangensprache? So pssschhsssppschh – dann fängt man an, so rumzunuscheln und testet den Flow erst mal in Parsel (lacht). Ich steh dann auch schon so da und sehe aus, als ob ich mein Spiegelbild battlen will. Aber das gibt mir eben das Gefühl, in der Sache drin zu sein. Es klingt vielleicht esoterisch, aber ich muss das fühlen.

Es gibt ein Zitat von dir: „Ich geb‘ Deutschrap etwas zurück, was die meisten nicht mal vermissen.“ Es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber was vermisst du konkret an deutschem Rap?
Zu dem Zeitpunkt, wo ich das gesagt habe oder aktuell?

Hat sich da was verändert?
Als ich das geschrieben habe, gab es diesen Realness-Gedanke und generell für etwas einzustehen. Das hat sich zwar bis heute gehalten. Aber nehmen wir mal an, ich gebe dir jetzt ein Blatt Papier, schreib die Zahlen 1-30 auf und sage: „Hey, du hast zwei Minuten und musst jetzt 30 Rapper aufschreiben.“ Du schreibst irgendwelche Rapper auf, die dir gerade einfallen. Dann kannst du danach diese Liste durchgehen und ich schwöre dir, dass 75 Prozent dieser Rapper sich auf irgendeine Art und Weise von der HipHop-Kultur distanzieren. In ihren Interviews, in ihren Aussagen oder in ihrem ganzen Dasein. Das nervt mich tierisch. Egal ob das Gangster- oder Hipsterrapper sind. Alle wollen rappen – aber keiner will Rapper sein. Alle wollen Rap – aber jeder findet HipHop scheiße. Wie kann das sein? Ich muss mir kein Joghurt in mein Backpack machen und zu einer Cypher gehen und sagen: „Yo, yo, ich weiß ganz genau, ich bin der Typ, der der Typ is.“ Ich muss auch nicht mehr mit 4XL-Baggiepants um die Ecke kommen. Ich kann auch ganz normal gekleidet sein und von Grund auf HipHop sein. Ich finde dieses ganze Hipsterding hat ziemlich viel in der HipHop-Szene kaputtgemacht. Kultur spielt eine große Rolle für HipHop und dieses ganze Vermischen hat das ein bisschen ins Lächerliche gezogen. Auf einmal sitzen Studenten zuhause auf ihren WG-Partys und feiern ironisch Haftbefehl.

Was sagst du zu der aktuellen Haftbefehl-Parodie von Jan Böhmermann?
Das hatte so einen peinlichen Charakter. Er macht diese Haftbefehl-Nummer nach und versucht es mit der Stimmlage. Für Leute, die nicht so viel mit HipHop zu tun haben, ist das vielleicht eine gelungene Parodie. Aber für mich als Rapper ist das schwierig. Für mich hat das einen Beigeschmack von Erkan und Stefan. Das spielt für mich in der gleichen Liga, wie wenn Daniel Aminati einen Beitrag über HipHop anmoderiert und sagt: „Hey, yo, voll konkret krass, Alter!“ und dabei so komische Bewegungen macht. Bei Böhmermann war es insgesamt schon ganz gut, aber dass so was dann über Nacht 1,5 Millionen Klicks hat und 25.000 positive Bewertungen, zeigt mir, dass heutzutage die Hälfte der Leute, die deutschen Rap hören, eigentlich deutschen Rap nicht geil und HipHop peinlich findet. Mittlerweile ist HipHop kommerziell so erfolgreich und so im Mainstream angekommen, dass sie sich dem nicht verschließen können.

Wie kam es zu dieser Veränderung?
Vor drei, vier Jahren hat das angefangen, dass es einen Overkill gab und die Luft raus war. Und alles, was neu und anders war, wurde gefeiert. Auf einmal haben Kraftklub 20.000 Kronen in der Juice bekommen. Ist jetzt zwar nicht mein Geschmack, aber von mir aus sollen die Leute das hoch und runter feiern. Aber ich bekomm doch – wie heißt diese Rockzeitschrift? EMP? – ich bekomm doch auch nicht 7 Gitarren in der EMP. Dann wird auf diesem HipHop-Erbe wirklich herumgetrampelt. Aber hey, ich muss mich auch nicht alleine an die Front stellen und die HipHop-Flagge hissen, wo wir wieder beim Thema Flaggen wären (lacht). Ich hab auch eine gewisse Entwicklung gemacht. Wenn man sich meine neuen Texte anhört und die EP, dann fällt es vielleicht auf, dass viel weniger HipHop-Jargon vorkommt. Es ist nicht mehr Battlerap über Rap, es hat vielleicht immer noch eine Battle-Attitude, aber es ist das Battlen mit dem echten Leben. Und deswegen ist es auch ein Vokabular, das mit dem echten Leben zu tun hat. Ich sag auch nicht zu meiner Mutter: „Hey, das Gulasch schmeckt tight!“. Ich kann nur insofern was zu der Kultur beizutragen, indem ich die Werte ein Stück weitervermittle und einfach rappe auf meinen Platten. Jeder, der wirklich gut rappt, muss irgendwann mal ein Stück Kultur eingeatmet haben.

www.facebook.com/liquitwalker030