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„Positiver Gangsta-Rap, die Maasnbriada“ // BumBumKunst & Skero Porträt

„Positiver Gangsta-Rap, die Maasnbriada“ // BumBumKunst & Skero Porträt

BumBumKunst

Ein Jahr, zwei Alben – was nach dem Businessplan aufstrebender Rapper klingt, scheint für die „MaasnbriadaBumBumKunst & Skero ein selbstverständlicher Zyklus zu sein. Das Motto? Nicht groß daherreden, lieber machen. Anlässlich ihres am 07. August erschienenen zweiten gemeinsamen Albums haben wir uns mit dem Mundart-Rap-Duo in Wien verabredet. Im Glauben, dass das anschließende Interview bei Tribe Vibes wie gewohnt im Funkhaus stattfindet, treffen wir uns in einem Lokal in der Argentinierstraße. So kommen die stets entspannte Zeitgenossen am Ende unseres Gespräches noch ein bisschen in Stress – schließlich müssen sie noch unverhofft per Taxi zum Ende 2019 bezogenen FM4-Studio am Küniglberg pledern.

Rasant sind auch die Arbeiten an „Maasnbriada 2“ verlaufen. Wie beim Vorgänger ist ein Großteil des mit 14 Nummern und zwei Skits bespickten Albums innerhalb von drei Monaten entstanden – getrennt voneinander in Linz und Wien aufgenommen, anschließend von Flip gemixt und gemastert. Ohne Corona wäre es wohl noch im Frühjahr erschienen. „Ich mach im Sommer immer nix, ab September kommt dann wieder die Kreativität zurück. Da kann ich mich schon einmal in der Woche ins Studio setzen und eine Nummer machen, es macht ja Spaß“, meint BumBumKunst, der als treibende Kraft fungiert. „Alleine verkopfe ich mich oft zu sehr und will irgendein Thema ganz genau bearbeiten. Mit dem Kunsti ist das Arbeiten viel lockerer“, deutet Skero an, sich rasch vom Arbeitsethos seines Kumpanen anstecken zu lassen.

BumBumKunst

Keep it funky

Längst sind die beiden ein gut eingespieltes Team, was neben der produktiven, aber aufgelockerten Arbeitsweise auch mit den musikalischen Vorlieben zusammenhängt. Mit dem in ihrer Rap-Generation oft vorherrschenden Eastcoast-Fokus konnten sie nie was anfangen. Viel eher sind sie Freigeister, die nicht vorm Melodischen und Avantgardistischen zurückscheuen, aber auch nicht ihre musikalischen Wurzeln vergessen. Waren BumBumKunst und Kroko Jack in den 00er-Jahren als Sodom & Gomorrah Vorreiter von Klängen, die sich viele Jahr später auf großer Bühne in Deutschrap-Gefilden etabliert haben, wird Skero auch Jahre nach seinem Ausstieg noch oft mit Texta assoziiert. Sein Wödberühmt-in-Österreich-Sommerhit „Kabinenparty“ jährt sich diesmal bereits zum zehnten Mal.

Stilistisch stand der erste Streich der Maasnbriada noch ganz im Zeichen der Westcoast, von klassischen Moog-Synths bis zu Hyphy-Klängen. „Es sind auch jetzt wieder paar Nummern dabei, ‚Stoistodt‘, ‚Safn‘ und ‚Sogadinedna‘ passen voll ins Schema“, meint BumBumKunst. Auch das Cover ist erneut im „The Chronic“-Look, diesmal allerdings mit Kinderfotos. Um eine zweite Westcoast-Hommage handelt es sich dennoch nicht. Viel mehr haben sie sich auf Dirty-South-Klänge fokussiert – ebenfalls eine HipHop-Spielart, die beide seit vielen Jahren begeistert. „Mich haben vor allem die Geto Boys fasziniert, die habe ich immer sehr gut verstanden und die Charaktere waren alle so geil“, schwärmt Skero. Bei BumBumKunst haben sich neben 90er-Klassikern von OutKast, UGK, Three 6 Mafia und Konsorten etwa auch einige spätere Tracks von Juicy J oder die ersten drei Alben von Lil Wayne eingeprägt. „Kunsti ist da sehr breit aufgestellt. Es kann melodiöser sein, der Funk ist eigentlich das Wichtigste“, sagt Skero.

Maasn statt Safn

Bei seinen Produktionen setzt BumBumKunst oft auf 90er-Einflüsse, gleichzeitig schimmern immer wieder moderne Sounds durch – wie etwa zu hören auf der Vorab-Single „Hecha“. Dass seine Beats immer noch mittels Cubase SX3 auf einem Atari-Bildschirm entstehen, tut da nicht viel zur Sache: „Wenn ich das austausche, muss ich mich wieder einlernen. Im Endeffekt geht es darum, dass du es wie ein Instrument verwenden kannst“. So seien seine Beats meist nach ein, zwei Stunden fertig. Insgesamt halte sich die investierte Zeit in Beats und Raps in etwa die Waage. Auch weil er mittlerweile kaum noch drauflos produziert, sondern im Vorhinein überlegt, in welche Richtung der jeweilige Beat gehen soll. Viel geht eben übers Gefühl und die Stimmung. „Wenn das Beatpattern und die Bassline da sind, fehlt oft genau ein Element, dann geht‘s voll auf. Manchmal tu ich nicht einmal mehr eine Hi-Hat dazu weil ich mir denke, es reicht schon irgendwie“, verschafft BumBumKunst einen Einblick.

Textlich verschreiben sich die beiden vermehrt optimistischen Botschaften. Ohnehin gebe es im heutigen Deutschrap-Game viel zu viele depressive Drogendealer-Songs und Lyrics von Neureichen, denen die Ideen zum Verprassen der Marie langsam auszugehen scheinen. „Ich will Musik machen, bei der sich die Leute danach a Wengerl besser fühlen, ned trauriger“, betont BumBumKunst. „Das sind einfach wir. Der positive Gangsta-Rap, die Maasnbriada“, formuliert es Skero noch prägnanter. Keine aus dem Finger gezogenen Geschichten, lieber Representer, Feel-Good-Tracks und Coronazeit-taugliche Durchhalteparolen. Oft schreiben sie diese einfach drauflos, seltener widmen sie sich ausgefeilteren Storytellern – auch wenn Skero das Storytelling eigentlich als Königsdisziplin im Rap betrachtet. Auf „Glick ghobt“ packen die Maasnbriada etwa Uralt-Geschichten zu Komplikationen beim Aufstellen und Sprühen aus, über die sie heute lachen können.

Slangsta 2.0?

Im Lauf der Albumproduktion haben sich Skero und BumBumKunst mit einigen weiteren Mundartacts auf ein Packl g’haut. Teils schon länger geplant, teils kurzfristig entstanden. Dass die Gäste obendrein aus diversen Ecken kommen, weckt leichte Erinnerungen ans einstige Slangsta-Movement. Besonders ins Auge springt der Reggae-/Dancehall-Veteran Thai Stylee, der früher meist auf Englisch zu hören war und nun von Skero nach gefühlt zehn Jahren Pause für einen Mundart-Part aus der Versenkung geholt wurde. „Ich hab ihn mal beim Konzert von Bounty Killer getroffen und ihn dann für die Nummer angerufen“, meint er dazu. Gemeinsam haben sie einen Weltschmerztrack und damit ein thematischer Ausreißer aufgenommen. Auch die Bayern-Connection ist über Skero entstanden, als er Maniac Beats von „Maasnbriada 2“ vorspielte und dieser voll reingekippt sei. „Mit ihm und Liquid ist bissl ein Revolutionary-Track entstanden, was für die beiden gar nicht so typisch ist“.

Naheliegender erscheinen die weiteren Features. Während DJ JoeJoe bei Skero-Alben traditionell Skits beisteuert – diesmal etwa als Südstaaten-Opa –, sind mit Kreiml & Samurai auf „Reid mitn Mob“ und PerVers auf „Sogadinedna“ auch zwei Wiener Rap-Duos vertreten. Zum Track mit Dauawizzy und Metzga ist ein im Prater gedrehtes Video angekündigt – das dritte nach „Hecha“ und der Linz-Hymne „Stoistod“.

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Ausblick

Obwohl die Maasnbriada dem neuen Album viel Live-Potenzial attestieren und die beiden sehr gerne auftreten, stehen heuer keine Shows mehr an. Auch weil der Plan, es vorm Sommer rauszuhauen und dadurch Bookings zu lukrieren, nicht umsetzbar war. Und Sitzkonzerte? „Für die Zuschauer sind die wahrscheinlich eh lässig, aber wenn du selber oben stehst ist es halt komplett was Anderes. Das Publikum unterschätzt oft, wie sehr es selbst das Konzert macht“, zeichnet sich eine längere Live-Pause ab – auch angesichts der wieder steigenden Coronafälle und dem Umstand, dass eine derzeit für Jänner angesetzte Show wohl kaum stattfinden können wird.

Was die Arbeit an neuen Tracks angeht, dürfte es umso weniger Leerlauf geben. „Schau ma mal. Vor paar Tagen hab ich eh wieder an gscheiden Banger produziert“, hat BumBumKunst seine Sommer-Kreativitätspause unterbrochen. Was nach dem Westcoast- und Dirty-South-Fokus folgen könnte? Mehr in Richtung Dancehall vielleicht, wie Skero es in den Raum wirft? „Ein ganzes Dancehall-Album muss ich jetzt ned machen, aber für ein, zwei Nummern bin ich sicher offen“, erwiedert BumBumKunst, bevor die beiden schnell weiter müssen.