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Gesellschaftskritik von Vandalismus: „Menschenfressermenschen“ // Video

Gesellschaftskritik von Vandalismus: „Menschenfressermenschen“ // Video

Foto: Quinten Quist

Im Juni 2021 veröffentlichte Vandalismus seinen jüngsten Longplayer „Bombers from Burundi“, erschienen über Audiolith Records. Trotz des sommerlichen Release-Zeitpunkts klingen die Songs auf seinem neuen Opus düsterer und dunkler als auf dem Vorgänger „Gloria & Schwefel“ (2020), die Zeilen tauchen wieder stärker ins Unklare ab. Auf Features wurde verzichtet. Im Line-up des Albums gibt es aber trotzdem eine Überraschung.

Für „Bombers from Burundi“ arbeitete Vandalismus zum ersten Mal mit dem Produzenten Kenji451 zusammen, der in seiner Diskografie Beats für unter anderem Zugezogen Maskulin vorweisen kann. Gekennzeichnet wird Kenji451s Sound durch einen Hang zum Gruseligen, zum Unangenehmen. Exemplarisch dafür steht die Steel-Drum-Produktion „Der müde Tod“, die er 2018 für Zugezogen Maskulin anfertigte. Ein Sound, der auch zu Vandalismus passt.

Hommage an Rio Reiser

In diese unheimliche Richtung geht schließlich auch sein Beat für „Menschenfressermenschen“, einen der zentralen Tracks auf der jüngsten Vandalismus-Veröffentlichung. Im Titel verbirgt sich eine Hommage an Rio Reiser. Reiser, der als Bandleader von Ton Steine Scherben bekannt wurde und sich zeitlebens politisch engagierte, veröffentlichte 1986 auf seinem ersten Solo-Album „Rio I.“ den Song „Menschenfresser“.

Mit Zeilen wie „Menschenfressermenschen sind normal und meist sehr fleißig/Menschenfressermenschen gibt’s nicht erst seit ’33“ ging „Menschenfresser“ als pointiert vorgetragene Darstellung der gesellschaftlichen Zustände im Deutschland der 80er-Jahre in die deutsche Pop-Geschichte ein.

Vandalismus geht thematisch in eine ähnliche Richtung, setzt sich sein „Menschenfressermenschen“ ebenfalls kritisch mit der Gesellschaft auseinander. Er widmet sich im Song Menschen, die „schlimme Dinge machen“. Doch Vandalismus geht es in „Menschenfressermenschen“ nicht um eine Anklage von Täter*innen.

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Gesellschaftliche Kontext

Er wirft stattdessen einen Blick auf den breiteren, gesellschaftlichen Kontext, ohne die schrecklichen Taten zu entschuldigen. Das wird besonders im zweiten, äußerst unbequemen Part deutlich. Dieser beschäftigt sich mit Kindesmissbrauch. „Ich will auf keinen Fall die Taten schwächen, nix relativieren“, stellt Vandalismus klar, betont jedoch: „Aber es gibt kein‘ Teufel, wir sind nur mutierte Tiere/Es gibt keine schlimmen Menschen, Menschen machen schlimme Dinge/Aber Don’t hate the player‘, um bisschen Frieden zu finden“.

Für das Video arbeitete Vandalismus mit der Hamburger Produktionsfirma Hirn & Wanst zusammen, das Video ist im Rahmen des Programms „pop to go“ entstanden. Bei dem Programm des Bundesverbandes für Popularmusik drehen Hamburger Jugendliche gemeinsam mit Hirn & Wanst Musikvideos. Für „Menschenfressermenschen“ stellten diese Jung-Schauspieler*innen diverse Rollenbilder dar und kreierten Bilder, die die Wirkung des Songs noch weiter verstärken.