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Affinität zu Swag und guter Musik! Affine Records Night Review

Affinität zu Swag und guter Musik! Affine Records Night Review

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Eine Affinität ist laut Duden eine „Wesensverwandtschaft bzw. eine Ähnlichkeit und eine dadurch bedingte Anziehung“. Diese Wesensverwandtschaft treibt am Samstag die verschiedensten Musikliebhaber ins WUK, denn Affine Records feiert – und das mit einem Line-up der Extraklasse. Nicht verwunderlich, beherbergt das Wiener Label doch ein paar der vielversprechendsten Künstler der kontemporären heimischen Musik-Szene. So darf man sich an diesem Abend auf Acts wie Dorian Concept, Cid Rim, The Clonious, Ogris Debris, Sixtus Preiss Quartett, Crack Ignaz (wobei dieser ja bei MPM ist), Wandl und Amazon Sly & Worst Messiah freuen.

Fotos: Niko Havranek
Redaktion: Jérémie Machto

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Die genaue „Wesensverwandschaft“ kann im durchmischten Publikum des Abends schnell ausgemacht werden: Alle sind hier, um gute Musik zu geniessen. Das Sixtus Preiss Quartett, angeführt von Produzent Sixtus Preiss, macht den Anfang. Meine Affinität zum „Unpünktlich-Sein“ lässt mich davon einiges verpassen, der fotografierende Kollege ist schon da. Laut ihm und seiner kurzen und prägnanten SMS ist es „Ur gut!“. Und auch die Menschen vor dem WUK, die nach dem Konzert eine Raucherpause machen, sind offenkundig begeistert.

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Genau richtig komme ich erfreulicherweise zum musikalischen Highlight des Abends. Auf der Bühne der angenehm gefüllten – das heißt viele Menschen, aber genug Bewegungsfreiheit – großen Halle nimmt Cid Rim am Schlagzeug Platz, Dorian Concept setzt sich zu seinen verschiedenen Keyboards & Geräten und The Clonious greift sich seinen Midi-Bass. Schon unter dem Namen JSBL (damals noch mit Bassist Willi Rosner) haben sie zusammen Auftritte gespielt und releast. Die Harmonie stimmt, die Künstler kennen sich seit ihrer Kindheit und haben die gleiche Schule besucht. Und diese Vertrautheit spiegelt sich in ihrem Tun auf der Bühne wider: Die drei sind perfekt aufeinander abgestimmt. Während das Set anfangs noch experimenteller verläuft, wird es im Laufe der Zeit immer rhythmischer und „tanzkompatibler“.

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Es werden hauptsächlich Stücke aus Dorian Concepts Album „Joint Ends“ gespielt, wie Dorian es selbst in einer seiner wenigen aber sympathischen und bescheidenen Ansagen dem Publikum mitteilt. Die verschiedensten Einflüsse und Genres verschmelzen hier zu einem großen Ganzen. Zu hochqualitativer Musik hauptsächlich. Nach jedem Track folgt ein langer, ehrfürchtiger Applaus des Publikums. Das Ganze wird mit beachtlichen Visuals unterstützt: Hinter den Künstlern hängen mehrere Dreiecke in verschiedenen Ausrichtungen, auf die Live-Aufnahmen projiziert werden. Überhaupt wirkt die ganze Veranstaltung von Anfang bis Ende gut durchorganisiert und professionell. Es gibt kaum große Verzögerungen und die Sets sind durchwegs gut.

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Beim anschließenden Solo-Auftritt von Cid Rim und dem Set von Ogris Debris macht sich leider die Tücke der großen Location bemerkbar. Das tut der Stimmung aber keinen Abbruch. Bei Cid Rim funktionieren vor allem Hits wie der „You’re not the One“-Remix gut. Auch Ogris Debris punkten unter anderem mit „Miezekatze“ und begeistern die Tanzwütigen. Doch als die Knochen schon langsam müder werden, springt die Uhr um eine Stunde zurück. Es gibt also keine Ausreden, um nicht weiterzutanzen, ist ja erst zwei Uhr. Also gibt’s noch eine Ladung feinsten House, während der MC in Manier eines Gospel-Predigers das restliche Publikum anstachelt – bis dann ins Foyer zu Amazon Sly & Worst Messiah gewechselt wird.

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So wie Cid Rim, Dorian Concept und The Clonious den musikalischen Höhepunkt markieren, so tun das Crack Ignaz & Wandl im stimmungstechnischen Bereich. Der „Location-Wechsel“ in das kleinere Foyer tut gut und verdeutlicht auch den Kontrast zwischen diesem und den vorangegangenen Sets im großen Saal. Hier wird weniger andächtig gelauscht und mehr gesprungen und mitgegrölt. Affinität zum Swag! Ignaz K. und Wandl entpuppen sich wie auch schon bei ihren letzten Gigs als Dream-Team, der Flow vom „König der Alpen“ und die runtergepitchten Backs passen einfach. Ein Hit nach dem anderen wird leidenschaftlich vor- und vom Publikum mitgetragen. „Herbert Prohaska“ und natürlich Tracks aus dem aktuellen Album, Kirsch (u.a. „Gödlife“, „Oder ned“, „Gustav Klimt“ und als Auszucker-Zugabe noch „Gwalla“). Der absolute Wahnsinn!

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Den fließenden Übergang auf sein DJ-Set vollzieht Wandl mit seinem „Herbert Prohaska“-Remix (auch auf seinem kürzlich erschienenen (Re)Mixtape vertreten). Auf der Uhr ist es zwar erst drei Uhr, doch meine Affinität zum Schlafen treibt mich trotz fetten Tracks von Wandl raus aus dem WUK in die kalte, neblige Nacht. Danke Affine Records für diesen vielseitigen, ekstatischen und wunderschönen Abend.

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