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Austro Round-up (KW 19-20/21)

Austro Round-up (KW 19-20/21)

Kreiml Samurai Drexor Austro Round-up

Der Wiener Prater und dessen Kettenkarussell sind vergangene Woche mit den Öffnungen langsam aus seinem Winterschlaf erwacht. Anders sieht es beim Releasekarussell aus. Denn das dreht sich ohnehin immer munter weiter, wie unsere regelmäßigen Round-ups zeigen. Daran änderte sich auch in den vergangenen zwei Wochen nichts. Dafür werden parallel dazu langsam die ersten Open-Air-Rapshows gespielt sowie laufend weitere angekündigt – die dann auch hoffentlich bei angemessenem Wetter stattfinden können.

Text: Janina Lenz / Simon Nowak / Francesca Herr

Releases

Savi Kaboo – Awakening

Dass Savi Kaboo stets intensiv an Musik arbeitet, muss ob ihrer laufenden Releases eigentlich nicht extra erwähnt werden. Der jungen Wiener Sängerin, Rapperin und Produzentin gelingt es dabei aber, Quantität und Qualität auf einen Nenner zu bringen. Das setzt sich nun bei „Awakening“, ihrem zweiten Mini-Album, fort. Diesmal konnte sie sich auf gesungene Vocals konzentrieren, denn sie erhält Unterstützung der sechsköpfigen The Savi Kaboo Band aus Zypern – wobei Efthivoulos Theocharous als leitender Produzent fungierte.

Ergänzt durch smoothen Band-Sound dominieren Texte über die Liebe, die Sehnsucht und deren Verarbeitung – doch münden letztlich in positiven Vibes. Im Abschlusstrack „Everything is Everything“ stechen Reggae-Vibes hervor, die das Album abrunden. Für die Videoaufnahmen hat Savi Kaboo ihre Connections nach Zypern intensiviert. So entstand dort gleich ein komplettes Albumvideo zwischen Live-Performances und Eindrücken aus der Natur – definitiv ein schöner Ort.

Ein Gespenst – Ich tanze nur aus Höflichkeit

Mit der zweiten Videoauskoppelung „Liebe und Drogen“ veröffentlichten Ein Gespenst – bestehend aus Elias Hirschl und Christopher Hütmannsberger aka Selbstlaut – zeitgleich die Debüt-EP „Ich tanze nur aus Höflichkeit“. Sie treffen damit einer unverhofften Zukunft mitten ins Herz. Das Video-Konzept der ersten Single setzen sie fort und schneiden zwischen romantischer E-Scooter-Ausfahrt von Fabian Hirschl und Pia Semorad Archivmaterial, hauptsächlich Werbung der Weltausstellung in Seattle zwischen.

Der postapokalyptischen Nihilismus, der schon die erste Veröffentlichung dominiert hat, baut sich auch in der EP weiter auf und die beiden bleiben der gesetzten Post Punk / New Wave Schiene ebenso treu. Nur in ebenjener Konsequenz setzen sie in „Die Leere“ noch eines drauf: „Steht ein Haus in Flammen, lässt man es so und respektiert die Entscheidung des Hauses zu brennen. Gesetze sind Naturgesetze. Dinge gehören niemandem und die meisten davon stehen in Flammen. Menschenwürde wird großgeschrieben, wer sie kleinschreibt, wird öffentlich gevierteilt“. In vier Tracks schaffen sie es eine derart trockene und auf absurde Art zugängliche Dystopie aufzubauen, da rettet uns nicht mal mehr ein Poetry-Slam-Text.

ebna – reset

ebna veröffentlichte im Mai seine Debüt-EP „reset“. Das gute Stück klingt nach smoothem laidback Sound auf Oldschool-Beats mit g’scheiten und persönlichen Mundart-Lyrics. „Die vier Tracks sollen einige Kapitel aus meiner Vergangenheit schließen und zugleich meinen musikalischen Neustart widerspiegeln“, schreibt ebna zur EP. Damit deutet der seit paar Jahren in Wien lebende Rapper aus dem Mostviertel an, trotz seiner Vorliebe für Boombap künftig noch mehr beim Sound experimentieren zu wollen. Ein Gedanke, der auch auf dem Titelsong durchdringt. Ein schönes Debütrelease und ein Plan, der durchaus sinnvoll erscheint.

Singles

Kreiml & Samurai feat. Drexor – Fitness

Eine Ode ans Fitnesscenter – oder doch eher Satire? Kreiml & Samurai haben sich mit Drexor zusammengeschlossen, um zumindest dem Lockdown-Ende eine Hymne zu widmen, denn schön langsam war auch ihnen allen ziemlich fad zu Hause. Schnell noch einen ehemaligen Mr. Universe (Thomas Burianek) kontaktiert und schon steht auch das passende Video zu „Fitness“, das in einem urigen, alten Fitnessstudio mit Holzverkleidungen gedreht wurde – die Ästhetik muss schließlich auch stimmen. Mit gewohntem Schmäh und einem Mix aus Wiener und Salzburger Mundart, rappt das Trio über ihr Wappentier, den Schweinehund, nasal konsumierte Eiweißpulver und stählerne Würstelbuden-Körper, die man nun sogar wieder ausführen und präsentieren darf. Aus vertrauenswürdigen Quellen haben wir erfahren, dass das Synchronstampfen zum Aerobic-Beat von Fid Mella aka Fit Mella jeden Zuhörer und jede Zuhörerin instant 120 Kilogramm Corona-Speck abnehmen lässt (Angaben jedoch ohne Gewähr).

Hardy X ft. Slav & Tizudemjay – No Rest

Rastlos präsentieren sich auch Slav und Tizudemjay, die knapp ein Jahr nach ihrem gemeinsamen Hit „808“ wieder gemeinsam in Erscheinung treten – und mit prägnanten Lines auf einem lebhaften UK- Beat wie ein eingespieltes Team wirken. „Sie schreiben Text / No interest / Das Leben ein Test / Work hard, no rest“. Erneut hatte Hardy X bei der Produktion seine Finger im Spiel. Der mittlerweile in Berlin lebende Gloriettenstürmer tritt zunehmend auch solo als Produzent für diverse österreichische Rapper in Erscheinung und hat kürzlich bei Heiße Luft angedockt. Die Single dient als erster Vorbote seiner ersten Produzenten-EP, die im Juni über das Wiener Label erscheint. Da werden dann auch Features von Yugo und Dyin Ernst vertreten sein. Wir sind schon mal gespannt.

Orichynal ft. Seila & Svaba Ortak – Owa vom Gas

Das Simmeringer Urgestein Richy von den Droogieboyz gibt es seit Kurzem auch unter neuem Namen. Für sein jüngstes Werk hat er sich mit zwei weiteren Wiener Größen auf ein Packl g’haut – und das Ergebnis lässt sich sehen. Bei Richy, Seila und Svaba Ortak treffen drei unterschiedliche Sounds aufeinander, die aber so zusammenpassen, dass man das Gefühl bekommt, dass Austropop und Rap einen neuen Weg zur Radiotauglichkeit finden könnten, ohne groß an Credibility zu verlieren. Inhaltlich eint sie eins: Durch Musik und „bissl owa vom Gas“ ein Leben gesucht und gefunden zu haben, fernab von Problemen mit Drogen, Polizei und Justiz. Ein ehrlicher Rückblick auf eine harte Zeit im Leben, mit der man abgeschlossen hat. Auch visuell setzen die drei die Messlatte hoch und liefern eine beinahe oscarreife Musikvideoproduktion.

Average & Syc Tyson – 15 km/h

Owa vom Gas heißt es auch für Average und Syc Tyson. Warum auch stressen lassen, wenn man mit 15 km/h durch die Nacht rollen kann? Eben. Entsprechend zurückgelehnt fällt der gleichnamige Track aus. Garniert durch einen wavy Beat von Concept, der den Vibe perfekt einfängt. Ein schöner Soundtrack zum Rumcruisen mit den engsten Homies, der auch zeigt, dass man – wie Average und Syc Tyson beim ersten gemeinsamen Track – oft über Ecken zueinanderfinden kann, ohne vorher großartig nacheinander gesucht zu haben. Die tiefenentspannte Zugang eint die beiden merklich. Ihre Verse fallen dabei trotzdem ein wenig unterschiedlich aus. Während Average seinen Part ultragemütlich rausflowt, fährt Syc Tyson mit etwas mehr Energie drüber. Average hat heuer übrigens noch einiges geplant. Für Sommer ist sein Album „Vale Tudo“ mit David Raddish angekündigt, im Herbst soll die EP „Pont II“ erscheinen.

HipHop Joshy & Bacardy52 – Nicht nochmal

HipHop Joshy & Bacardy52 haben genug von den miesen und langweiligen Tagen. Die Monotonie im Coronajahr – nicht wissend, wie man sich denn noch motivieren und beschäftigen könnte – gepaart mit konstant belastenden Nachrichten, hat wohl an uns allen gezehrt, weshalb man den Track auf jeden Fall fühlt. Doch „mittlerweile passts“, sagen die beiden. Sie kratzten Energien zusammen und man hört ihnen die Monotonie des vergangenen Jahres flowtechnisch in keinster Weise an. Beide packen abwechslungsreiche, humorvolle Verse auf den Beat von food for thought. Fürs Video hat sich Bacardy52, der vor einiger Zeit von Salzburg in die Niederlande gezogen ist, zu Joshy nach Wien gesellt.

FVLCRVM, KeKe – Come Get Some ft. Ivan Dorn

Gen Osten geht es für KeKe bei ihrer jüngsten Single „Come Get Some“. Aufgenommen auf einem Beat ihres slowakischen Mom I Made It-Labelkollegen FVLCRVM, ist auch der ukrainische Musiker Ivan Dorn vertreten. Dazu gibt es eine kleine Aufgabe für alle, die gerne Stricherllisten führen: Wie viele Sprachen kommen in diesem Track vor? Die richtige Antwort erfährt ihr – ach, lassen wir den Blödsinn. Es sind jedenfalls einige, zumal sich auch die ein oder andere gewienerte Line einschleicht. Ähnlich verhält es sich mit den musikalischen Einflüssen, aber so wie diese verschmelzen sind sie schon weniger eindeutig bestimmbar. KeKe feuert – wie die beiden anderen in der jeweiligen Heimatstadt – ihre Worte in gewohnt extravagantem Outfit vor der Wotrubakirche stehend raus. Mit welchen Worten jetzt also die Single beschreiben? Ähm, okay: Oag? Flashige Reizüberflutung? You name it.

Dacid Go8lin – Gangsta

So viele Gangster, wie Personen, die diese Zuschreibung für sich beanspruchen, kann es gar nicht geben. Zumal es bei vielen auch immer nach sehr ähnlichen, sterereotypischen Mustern abläuft. Bei Dacid Go8lin nicht. Auf gechilltem Lo-Fi-Beat und mit körnigem Schwarz-Weiß Video positioniert sich die Wiener Künstlerin auf derart ruhige aber bestimmte Art, die auch keinen Widerspruch zulässt. Wie gewohnt in Eigenproduktion ist „Gangsta“ ein Track der relativ entspannt zeigt: Dacid Go8lin ist gekommen, um nach harter Arbeit aber sowas von zu bleiben.

L.ias – Es wird nie afoch sei

L.IAS stellt sich dem Thema Rück- und Schicksalsschlägen und greift zu einem beliebten Mittel: Ironie. Überspitzt reiht er Unachtsamkeiten, Unfälle, Tod und Suizid aneinander, um zum bekannten Schluss zu kommen: „Schlimma gehts immer“. Vielleicht nicht mit ganz so viel Witz wie ein Hader-Drehbuch, nähert sich der Steyrer Mundartrapper und -sänger dennoch an den trockenen österreichischen Humor heran, um mit einer wichtigen Botschaft zu enden: „Es wird niemois afoch sei / mir foit da nächste Schritt ned leicht / […] I moch den nächsten Schritt, was ned wohin a führt / i schaff des ganz bestimmt, es öffnet sich a Tür„. Bei der Produktion unterstützt David Haider, der u.a. auch bei Folkshilfe mitproduziert. „Es wird nie afoch sei“ kommt zwar ohne deren „Quetschn-Synthesizer“ aus, die Verbindung lässt sich aber nur schwer abstreiten.

See Also
Mo Cess

L.IAS wählt für seinen Track einen nachvollziehbaren, aber trotzdem nicht immer für alle leichten Zugang. Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie ist die Zahl der psychischen Belastungen sehr stark angestiegen oder hat vorhandene Probleme verstärkt. Wer Ansprache und Hilfe benötigt, findet hier zahlreiche Nummern und kostenlose Angebote.

YKO & Hightauer – Damals

Schon länger gemeinsam im Multimediakollektiv Synaptic Showdown aktiv, machen YKO & Hightauer nun verstärkt gemeinsame Sache. Bevor im Herbst ihre gemeinsame EP erscheint, blicken sie mit einem ersten Vorboten zurück – YKO mit RnB-Gesang, Hightauer mit verspielten Raps und Oldschool-Flavour. Textlich finden die beiden dabei leicht zueinander. Es geht ums Verarbeiten persönlicher Enttäuschungen, die zum Kontaktabbruch geführt haben. Sei es das sukzessive Auseinanderleben oder in eine Person gesetztes Vertrauen, das gebrochen wird. „Der Kopf ist rational und weiß, dass es so besser ist, doch im Herzen spürt man zeitweise den schmerzlichen Verlust und erinnert sich nostalgisch an Damals. Als eben alles noch anders war“, fasst YKO das damit einhergehende Gefühl zusammen.

Meydo – Mann von Welt

Meydo spricht erneut aus, wie er sich definiert: ein Grazer in Wien mit kongolesischen Wurzeln, der abwechselnd auf Deutsch, Englisch und Französisch rappt, „ständig am Machen“ ist und zwischen Fashion Weeks und Musikstudios um den Globus reist. Passend dazu hat er seinen neuen Track „Mann von Welt“ auf seinem Trip in Dubai im Amongst Few Sounds-Studio aufgenommen, in dem auch Raf Camora sein Hörbuch aufgenommen hat. Produziert wurde die Nummer vom Franzosen Ilious, der auch schon mit Größen wie OBOY gearbeitet hat. Wer Meydo kennt, weiß, dass er nicht größer geworden ist, um kleiner zu denken – diesen Spirit hört man auch auf „Mann von Welt“.

Weiteres

Releases

Moglee – „Sonnentage

Videos

Andzijo & Phöönix – „Nehme dich mit
Dyin Ernst – „Gilbert Jonas
FaLaO feat. MC Soacha – „Frei sein
pan kee bois ft. Bibiza – „Stunde Max
SaniTäter – „Groupies

Tracks

BumBumKunst – „Oft host a Pech
Chaos Ark – „Fire
Cizzco Beatz ft Ben Saber – „Offline
Haag Fv ft. Taiga, Chakkaz & Hashmir – „Chance
Nikita Brale – „Klopf Klopf
Scheibsta – „Wow ok
Vorsicht ft. Mo Cess – „Stumpf

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