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Beatshizzle (November/17) // Beats & Instrumentals

Beatshizzle (November/17) // Beats & Instrumentals

Beatshizzle

In dieser Reihe widmen wir uns monatlich den neuen Releases der Beat- und Instrumental-Szene. Das Meer an großartigen Beats wird von Tag zu Tag größer und nur die wenigsten Produzenten erhalten gerechtfertigte Credits. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Instrumentalreihen – viele der Projekte gehen allerdings in der Flut an Releases einfach unter und werden nicht mit einem eigenen Artikel gewürdigt. Dennoch sind sie relevant genug, um ihnen eine Plattform zu bieten.

Darkhouse Family – The Offering

Die Darkhouse Family ist eigentlich ein Duo, das aus Earl Jeffers und Don Leisure besteht. Die beiden Waliser produzieren bereits seit etwa zehn Jahren gemeinsam, haben sich bis dato aber hauptsächlich auf Solo-Stuff fokussiert. Mit „The Offering“ ist nun ihre überfällige gemeinsame Debüt-LP via First Word Records erschienen. Und die hat es in sich. Die Protagonisten verbinden darauf soulige, samplebasierte Sounds mit reichlich elektronischen Einflüssen. Bei den Tracks wurden zahlreiche Instrumente live eingespielt, teilweise runden Vocals ab. Als Ergebnis steht eines der stärksten Releases des Monats, getragen von wunderbar groovenden, dynamischen Klängen – „straight heat“, wie es ein Tag auf Bandcamp passend beschreibt. – Simon Nowak

Pete Rock – Lost Sessions

Die 1995 erschienene LP „Center Of Attention“ der East-Coast-Rap-Formation Inl kann heutzutage getrost zu den Underground-Klassikern gezählt werden. Dazu tragen auch die Instrumentals entscheidend bei, die allesamt auf die Kappe von „Soul Brother“ Pete Rock gehen. Dieser brauchte nach der Trennung von CL Smooth ohnehin neue Abnehmer für seine meisterhaft arangierten BoomBap-Beats. Die Gruppe Inl aus seinem Heimatort Mount Vernon bot sich dafür perfekt an, zumal mit Grap Luva auch der jüngere Bruder von Pete Rock ein Teil davon war. Genau aus dieser Zeit gibt es noch einige Überbleibsel, die Pete Rock nun als „Lost Sessions“ releast hat. Erwartungsgemäß klingen die zehn Beats auch mehr als zwanzig Jahre später fresh. – Simon Nowak

Funkonami – Into The Deep Ocean

Obwohl es weitgehend auf gemütlichen Samples basiert, erscheint das jüngste Tape von Funkonami ganz schön rassig. Ausgestattet mit E-Mu SP1200 sowie Akai S950 hat der Grieche aus dem Ursprungsmaterial druckvolle, satte Kopfnicker in bester Tradition der 1990er-Jahre gebastelt, teils mit extravaganten, knallharten Drumpattern. Passt also perfekt zum wuchtigen, für das Label Village Live charakteristischen Sound. Eines der stärksten Tapes des Monats. – Simon Nowak

Will Sessions & Amp Fiddler – Kindred Live

Zu Beginn waren Will Sessions vor allem als Cover-Spezialisten aktiv, die Rap-Klassiker neu vertont haben. Besonders durch die Neuaufnahme des Nas-Meisterwerks „Illmatic“ (für das als Hommage dienende Remake „Elmatic“ von Elzhi) haben die Detroiter Aufmerksamkeit erlangt. Zwischenzeitlich konnte das Nonett sich einen Ruf als äußerst umtriebige Band erarbeiten. Neben punktuellen Kooperationen mit Rappern und zig Live-Shows ist mit „Deluxe“ im Februar erstmals ein Album von Willl Sessions erschienen, das ausschließlich originales Song-Material enthält. Nun legt die Gruppe in Kooperation mit dem J-Dilla-Mentor Amp Fiddler in Form von „Kindred Live“ nach. Das jüngste Werk setzt sich aus zwei Live-Aufnahmen von Konzerten der Band zusammen. Funk-, Jazz- und HipHop-Elemente halten sich wie gehabt schön die Waage. – Simon Nowak

B-Side When The Streets Are Empty

Nach diversen Releases auf Labels wie Dezi-Belle und Konsorten gehört B-Side auch seit einiger Zeit zum Chillhop-Umfeld und hat einige Tracks zu deren vierteljährlich erscheinenden Compilations beigetragen. Nun gibt es auch ein vollständiges Album. „When Streets Are Empty“ ist dabei – wie der Name bereits suggeriert – eher ruhig und unspektakulär gehalten, Musik zum Nachdenken und für kalte Winterstunden. Weihnachtsstimmung im Jahr 2017. – Simon Huber

Juan Rios & Smoke Trees – KO-OP 1

Mit KO-OP hat Melting Pot Music kürzlich eine Plattform gestartet, die ausschließlich Beatbastler in den Vordergrund rücken möchte und sich dabei erfreulicherweise stilistisch komplett offen zeigt. Neben Alben werden auch regelmäßig Playlists erstellt, die Tracks von Produzenten aus diversen Regionen und Äras beinhalten. Die erste Liste findet ihr hier. Was Releases betrifft, macht ein Split-Album den Beginn, auf dem der Spanier Juan Rios sowie der Stuttgarter Smoke Trees vertreten sind. Erstgenannter liefert verträumt-groovende Klänge, während sein Kollege sich auf jazzige, teils melancholische Sounds fokussiert. – Simon Nowak

Roberto Echo – Jamais Vu

Ebenfalls über KO-OP ist „Jamais Vu“ von Roberto Echo erschienen. Die EP des Kölners (beziehungsweise Neo-Düsseldorfers, den Umzug muss man sich auch erst mal trauen) ist gespickt mit abwechslungsreichen, von Samples aus den Bereichen Jazz, Funk und Soul getragenen Instrumentals. – Simon Nowak

The Cancel Band – Case

Ermittlungsarbeit in Instrumentalform  Der Ukrainer The Cancel möchte mit seinem neuesten Beattape offenbar einen Soundtrack für Detektivfilme liefern. Dafür hat sich der Produzent Unterstützung von seiner Band geholt, die sich in sauberer Manier mit Saxofon-, Gitarren- und Keyboard- Basslängen sowie Scratches beteiligt hat. „Case“ vereint neun entspannte, teils etwas düstere, Jazz-lastige Tracks, die sich perfekt für die kalte Jahreszeit eignen. Richtiges Detektiv-Feeling mag aber nur im Ausnahmefall durchdringen. – Simon Nowak

Budamonk – Baker’s Dozen

Die jüngste Ausgabe der von Fat Beats Records initiierten Instrumentalreihe „Baker’s Dozen“ featurt mit Budamonk einen der umtriebigsten Beatbastler Japans. Der Tokiote liefert darauf zwölf entspannte, leicht staubig anmutende Beats mit reichlich 90er-Flavour. Wenig verwunderlich, denn Budamonk sieht sich stark in dieser Tradition verortet, produziert überwiegend samplebasiert mit MPC 2000 XL, wobei er vermehrt japanische Quellen einbindet. – Simon Nowak

Allmos – Sound Affects Vol. 1

Als Teil des Brooklyner Produzenten-Duos The Stuyvesants hat Allmos schon an mehreren Alben mitgewirkt, erst im Sommer kam etwa „Finally“ heraus. Im Kontrast zum klassisch gehaltenen, souligen 90er-Sound der Crew-Releases gibt sich Allmos diesmal experimentierfreudiger – so stehen auf „Sound Affects Vol. 1“ elektronische, weniger starr amutende Klänge am Programm, die er mit live eingespielten Drums ergänzt. Eine mehr als willkommene Abwechslung. Gut, dass Allmos zumindest einen weiteren Part der via Fresh Selects releasten „Sound Affects“ angekündigt hat. – Simon Nowak

SicknessMP – Deep Insomnia

Nach dem ersten Hören stand für mich fest, dass dieses Album wohl zu den besten des Jahres gehören wird. POSTPARTUM. und der indonesische Produzent SicknessMP haben mit „Deep Insomnia“ einfach genau das geschaffen, was ein gutes Beatalbum braucht. Besonders der Titeltrack hat es mir angetan. – Simon Huber

DRWN. –XV-XVII

Der Schweizer DRWN. hat mittlerweile eine beachtliche Diskographie vorzuweisen. Der Titel des aktuellen Werks „XV​-​XVII“ lässt sich vermutlich auf die Entstehungsjahre der Beats zurückführen, auch wenn das Cover eine tiefsinnigere Bedeutung vermuten lässt (alle Angaben ohne Gewähr). Wie dem auch sei, musikalisch bewegt der sich in seinem bekannten Lo-Fi-Habitat mit Gästen wie MF Eistee oder emune und schafft ein erstaunlich abwechslungsreiches Album mit vielen Melodien, die im Ohr bleiben. Woher kennt man nochmal das Sample von „najaden“? – Simon Huber

Tides & Oofoe – Hoodie Season

Nach über zwei Monaten gibt es endlich wieder Neuigkeiten von DirtyBeauty, diesmal auch mit österreichischer Beteiligung. Tides & Oofoe stimmen mit ihrem gemeinsamen Album auf die „Hoodie Season“ ein. Lo-Fi at it’s finest, da wird einem warm um’s Herz. – Simon Huber

Kayo & Slone – The Nap #1

Gar nicht einschläfernd haben Kayo & Slone aus Frankreich (nope, der hiesige Rapper Kayo ist noch nicht unter die Produzenten gegangen) ihr gemeinsames Tape „The Nap #1“ gestaltet. Dafür klingen die souligen Instrumentals zu lebhaft und druckvoll. Zum Entspannen eignen sie sich aber dennoch hervorragend. – Simon Nowak

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Sleepdealer – Homesick

Ausgestattet mit einer SP-404 hat Sleepdealer wieder einmal ein sehr solides Beattape produziert. Die 21 kurz gehaltenen, von Soul-Samples dominierten Tracks sind sehr entpannt gehalten – „chill beats for lonely days“, so die minimalistische, aber treffende Beschreibung des US-Produzenten. Er vertreibt sein jüngstes Werk wie den Großteil seiner Releases gratis über Bandcamp. Diesmal gibt es darüber hinaus erstmals auch eine Vinyl-Version. – Simon Nowak

ENTRO// – 60k

ENTRO// aus Melbourne vereint auf seinem jüngsten Release „60k“ jede Menge melodisch-verträumte Instrumentals mit Lo-Fi-Flavour. Die 16 Tracks sind über das Kassetten-affine japanische Label Mt. Fuji Records erschienen. – Simon Nowak

A. Rubik – Something

Wie das Cover erahnen lässt, eignet sich „Something“ perfekt als musikalische Untermalung von Spaziergängen. Während der Ukrainer A. Rubik zunächst ausschließlich satten Kopfnicker-Sound liefert, ist die zweite Hälfte der EP überraschend smooth gestaltet. Eine angenehme Mischung. – Simon Nowak

Henace – late pick ups

Im Rahmen der „SXT-Tracks Vol. 2“, einer neuen Veranstaltungsreihe der Jungs von Sichtexot, veröffentlichte Henace, einer der dort auflegenden Produzenten, kurzerhand seine „late pick ups“ als Free-Download. Nette Geste, SXT beweist wie so oft Geschmack, kann man machen. – Simon Huber

Alaskam – Eveil

Nachdem melancholisch-düstere Instrumentals sein im März erschienenes Werk „Impact“ dominiert haben, schlägt Alaskam auf „Eveil“ ganz andere Wege ein. Der französische Downtempo-Produzent gibt sich auf dem atmosphärisch klingenden Werk experimentierfreudig, stellt dabei vermehrt Synths in den Vordergrund. Ganz rund wirkt das jedoch nicht immer. – Simon Nowak

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