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Gwante Renaissance der „Bullies in Pullis“ // Review

Gwante Renaissance der „Bullies in Pullis“ // Review

Bullies
Bullies
(Hector Macello/VÖ: 09.03.2018)

Es ist wenig verwunderlich, dass die musikalischen Ergüsse von Young Krillin und Crack Ignaz auf „Bullies in Pullis GP“ noch stark ausbaufähig waren. Das Mixtape stammt aus dem Jahr 2012, der absoluten künstlerischen Frühphase der Rapper – als Maßstab für Teil zwei kann es nicht gesehen werden. Im Gegensatz zu frühen Ignaz-Solos wie dem „Swag Tape“ (inkl. der Schneckerl-Hommage „Herbert Prohaska“) oder dem Track „Elvis“ hat das Bullies-Erstlingswerk kaum Aufmerksamkeit bekommen, ist weitgehend unter der Wahrnehmungsgrenze geblieben. Erst in den darauffolgenden Jahren ist der Hörerkreis der Hanuschplatzflow-Gang rasant gewachsen – man konnte sich nachhaltig in zahlreichen progressiv gestimmten HipHop-Köpfen festsetzen. So erscheint es heute selbstverständlich, dass Artists aus diesem Umfeld seit geraumer Zeit über die Staatsgrenzen hinaus (also in erster Linie die Deutsche) als heiße Neo-Rap-Aktien gehandelt werden und die Veröffentlichung von „Bullies in Pullis II“ mit einer hohen Erwartungshaltung einhergeht.

Diese manifestiert sich auch auf Beatebene: Denn während alte Homies wie Lex Lugner für die Produktion von „Bullies in Pullis“ verantwortlich waren, haben sich die Bullies für Teil zwei externe Unterstützung von den Hector-Macello-Masterminds Fid Mella und Clefco geholt. Erscheint weniger logisch, weckt aber großes Interesse. Dass man tendenziell verschiedenen „Camps“ zugeordnet wird, stellt bei der österreichischen HipHop-Supergroup kein großes Hindernis dar, ohnehin überwiegen die verbindenden Elemente. Schließlich sehen sich sowohl die HPF- als auch die Macello-Artists als Freigeister, deren musikalisches Schaffen seit jeher von einem gewissen DIY-Charakter geprägt ist. Die „Scheiß-mir-nix“-Attitüde mag bei Young Krillin und Crack Ignaz stärker ausgeprägt sein als bei den in Südtirol aufgewachsenen Wiener Beatschmieden, doch beide Seiten zeichnet eine hohe Bereitschaft für soundtechnische Experimente und eine stetige stilistische Weiterentwicklung aus. Die vier Künstler gehen für sechs Tracks und drei Intermezzos auf „Bullies in Pullis II“ eine vielversprechende Symbiose ein, bei der die Harmonie spürbar passt.

Dass die verspielten Instrumentals durchwegs hochkarätig sind, überrascht wenig. Eher schon, dass die beiden Rapper im Kontrast zu früheren Werken mit mehr Karacho spitten und versuchen, pointierter zu flowen. Das müssen sie auch, um den mit Details bespickten Unterlagen Paroli bieten zu können. Zumeist gelingt es ihnen gut, die beflügelten Texte mit einer bissigen Delivery zu kombinieren – klingt immer noch ziemlich locker und entspannt. Am ehesten offenbaren sich beim Eingangstrack „Nimm an Schluck“ Abstimmungsprobleme. Der „Å“-mäßige, spacige Mella-Beat erscheint etwas zu dominant, um noch berappt zu werden. Crack Ignaz und Young Krillin scheinen stimmlich damit zu kämpfen, die Instrumentalspuren zu bändigen. Bei den weiteren Nummern funktioniert es umso besser – mit „Immer mehr“ folgt gleich darauf ein Banger erster Güteklasse. Mit leichtfüßig-offensiven „Einedrahra“-Lyrics blicken die Bullies auf weniger rosige Zeiten zurück, um gleichzeitig ihr derzeitiges Leben zu glorifizieren. Unterhaltsam und durchaus kontrastreich, denn während Krillin auf konsumkritische Worte setzt, sind die Zeilen von Crack Ignaz von Habsucht geprägt. Beide Parts harmonieren vorzüglich mit dem fetten Clefco-Glockenbeat.

Als weiteres Highlight kristallisiert sich der Abschlusstrack „Gödlife 4 Life“ heraus. Wie der Titel suggeriert, geht es auch hier ums Haben und eine von Hedonismus geprägte Lebenseinstellung. Unterstützt von einer frohsinnigen, verträumten Atmosphäre sind die Lyrics ganz dem „Gödlife“ gewidmet – bunte Scheine, gezielte Berauschung und die richtigen Ladies. Mag wenig originell sein, ist aber stark umgesetzt. Auch die wunderbar trippige, mit Italizismen bespickte Grauburgunder-Hymne „Pino Grigio“ (s/o an den „Vino“-Intenditore Dexter) sowie der deepste Track, „Harakiri pt. 7“, fallen positiv auf. Die ergänzenden, hörspielartigen Skits bleiben dagegen nur ein nettes Gimmick. Die skizzenhaften, scoreartig unterlegten Gespräche auf Hochdeutsch wirken neben den Mundartraps ein bisschen wie Fremdkörper.

Fazit: Mit „Bullies in Pullis II“ ist dem Quartett ein stimmiges Release gelungen, das den hohen soundtechnischen Erwartungen gerecht wird. Die Symbiose zwischen den rappenden HPF-Veteranen und den Hector-Macello-Produzenten kommt ohne wirkliche Ausfälle aus. Fid Mella und Clefco liefern gewohnt schön arrangierte, verspielte Instrumentals, die sich perfekt als Unterbau für die leichtfüßigen Raps von Crack Ignaz & Young Krillin eignen. Besonders Zweitgenannter spittet darauf pointierter als bei früheren Releases. Beide Rapper können sich zunehmend von der lästigen „Cloud“-Zuschreibung emanzipieren, ohne an Lockerheit einzubüßen. Auf den Tracks bewegen sich die Bullies durchwegs auf einem respektablen Niveau – mit „Immer mehr“, „Pino Grigio“ und „Gödlife 4 Life“ stechen gleich drei davon besonders hervor.

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4 von 5 Ananas

Ein Interview mit den „Bullies in Pullis“ findet ihr hier.