„Wenn ich ein Album droppe, soll es ein Masterpiece sein“ // Law Interview

Vor ein paar Jahren als Teil des Kollektivs/Labels Akashic Recordz gestartet, arbeitet Law seit geraumer Zeit eigenständig an Tracks. Eine Bewusste Entscheidung des Wiener Rappers, um sich noch konsequenter seinen musikalischen Visionen und Messages zu widmen. Diese fließen in englische Texte und sind oft geprägt von einem positiven Mindset und motivierenden Worten, eigene Träume und Ziele zu verfolgen. Bisher legte Law den Fokus auf Single-Veröffentlichungen sowie Exclusives auf Instagram, mittelfristig möchte er auch ein größeres Projekt rausbringen. Am 19. August hat Law mit „Infinite Light“ seinen jüngsten, mit RnB-Einflüssen versehenen Track veröffentlicht – eine Hommage an die Zweisamkeit.

The Message: Du hast 2019 deinen ersten Solotrack veröffentlicht und nicht lange davor zum Rappen angefangen. Was war damals dein Antrieb?
Law:
Ich habe mit Musik angefangen, um mich auszudrücken, meine Gedanken zu verarbeiten und weil es mir Spaß gemacht hat. Hauptsächlich aber um mich zu expressen. Ich war immer schon nachdenklich und habe meine Private Time wertgeschätzt, aber früher nicht so darauf geachtet. Man konnte mich leicht überreden: ‚Komm, geh ma da hin‘. Das hat sich 2020 mit der Pandemie geändert. Ich habe viel Zeit mit mir verbracht, auch in der Natur. In der Stadt hast du immer Lärm und Ablenkung, in der Natur gibt dir die Ruhe eine gewisse Klarheit.

Du hast 2020 als Knackpunkt bezeichnet. Auch was die Arbeit an Tracks angeht?
Ich habe gemerkt, dass die Message da war, ich sie aber nicht so representet habe wie ich es wollte. Eine Zeit lang habe ich mir gedacht, ich muss mich an die Industry anpassen, was gut gehen könnte oder trendy ist. Ich habe mich gefragt: Wer bin ich, was will ich representen und wofür stehe ich? Ich habe über das Jahr nur drei, vier Songs geschrieben. Es hat nicht so viel Spaß gemacht, weil ich vom Alten loslassen musste. Gegen Ende des Jahres habe ich meinen Weg gefunden, darauf geschissen, was gerade in ist und angefangen, Musik zu machen, die vom Herzen kommt und die ich fühle. Seitdem macht es mir viel mehr Spaß, ich bin mehr dahinter und ich habe ein Feuer in mir entfacht.

Vor dem Musik machen hast du Basketball gespielt und warst im Ballsportgymnasium. Hat das seinen Reiz verloren?
Ganz am Anfang war es Skaten, da hatte ich die Passion, wollte aber was mit mehr Competition und wo ich eine gewisse Disziplin brauche. Dann habe ich mit Basketball angefangen. Ich bin in einem unruhigen Zuhause aufgewachsen und habe einen psychisch kranken Bruder. Es war ein Fluchtweg, hat mir auch Power gegeben, weil ich diese Situation in was Positives umwandeln und meinen Schmerz rauslassen konnte. Jeder hat sein Träume, seine Probleme, aber die Meisten lernen das nie kennen oder haben Angst davor und lenken sich am Handy ab – vor allem in dieser Generation. Es gibt gute und schlechte Fluchtwege, wie wenn du dich mit Drogen vollpumpst und gar nicht mehr mit deinem Leben klarkommst. Sport war für mich immer das Wichtigste. Aber ist der Punkt gekommen, an dem ich mich in der Basketballakademie nicht mehr wohl gefühlt habe und den Verein verlassen habe. Ich musste Schule wechseln, es war dann nicht mehr so easy und ich habe mich unwohl in der Klasse gefühlt. Ich habe dann angefangen, das freie Leben zu genießen, fortzugehen und so weiter. Das mit der Musik ist so gekommen.

War es für dich danach daheim einfacher?
Es war kurz diese Phase, wo ich viel draußen war, damit ich escape. Irgendwann ist mein Bruder ausgezogen, er hat jetzt seine eigene Wohnung und es geht ihm besser. Als ich mit Musik angefangen habe, war ich viel unterwegs und ich habe geschaut, dass ich mit Leuten connecte. Da bin ich auf die Jungs von Akashic gekommen. Ich war lange mit ihnen unterwegs, es war eine super Zeit und wir sind gute Homies. Ich habe nur irgendwann gesagt, ich will mehr mein eigenes Ding machen. Die Jungs haben Deutschrap gemacht und ich feiere das, aber es war nicht das, wo ich mit meiner Musik hin wollte.

„Wir sind darauf programmiert worden, uns auf das zu fokussieren, was wir nicht haben oder was schlecht ist“

Gab es einen Punkt, wo du gesagt hast: So geht es nicht weiter?
Ich war nie so hardcore drinnen. Ich war eine Zeit lang viel fort, es war eine lustige Zeit und ich bereue es nicht, dass ich das gemacht habe. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr darauf, mich anzusaufen oder einzurauchen. Meine Seele – oder was in mir drin ist – hat gesagt: ‚It’s time for a new Chapter‘. Dann habe ich angefangen, mir positive Habits anzueignen. Früher aufstehen und trainieren, weil ich nach der Basketballzeit fast ein Jahr lang keinen Sport gemacht habe. Da ging es mir nicht gut. Wenn ich keinen Sport mache, bin ich nicht ich, dann kannst du mich schmeißen (lacht). Ich habe auch zu meditieren und zu lesen angefangen, was ich früher gehasst habe.

Was hat dir am meisten Input gegeben?
Lesen hat mir sehr geholfen – hauptsächlich Self-Improvement-Bücher. Wenn jemand seine Life-Experience oder einen Teil davon reinpackt, kannst du viel davon mitnehmen und dir viel ersparen, weil du es von jemand anderem lernst. Tagebuch schreiben hat mir am meisten geholfen. Ich stelle mir jeden Tag in der Früh vier Fragen. ‚Ich bin dankbar für…‘, dann schreibe ich drei Sachen auf. ‚Was würde den heutigen Tag gut oder großartig machen?‘ Da schreibe ich auch drei Sachen auf. Vorm Schlafen gehen schreibe ich drei gute Sachen auf, die passiert sind. Selbst wenn du den beschissensten Tag gehabt hast, kannst du sagen: ‚Ich habe eine Ingwerlimo getrunken‘. Du kannst den Mind so trainieren, dass du dich auf positive Sachen fokussierst. Die letzte Frage ist: ‚Wie hätte ich den Tag noch besser machen können?‘ Noch, weil du davon ausgehst, dass er schon gut war.

Kam das über ein Buch?
Nein, ein Freund hat mir das empfohlen. Es hat echt geholfen. Wir sind quasi darauf programmiert worden, uns auf das zu fokussieren, was wir nicht haben oder was schlecht ist. Wir suchen die ganze Zeit Sachen, die wir schlechtreden können. Es ist in deinem Mind drinnen, aber du kannst dich umprogrammieren und zum Beispiel anstatt dich 80 Prozent darüber aufzuregen, was du nicht hast, dafür dankbar sein was du hast und vielleicht die anderen 20 Prozent im Complaining-Mode sein.

Welche Autoren und Bücher haben dich inspiriert?
Das erste Buch  war „The Keys“ von DJ Khaled (lacht). Er ist niemand, zu dem ich aufschaue, aber er hat sein Momentum gehabt. Es war eine gute Introduction, weil die richtigen Principles dringestanden sind. Es ist weitergegangen mit Büchern wie „Rich Dad Poor Dad“ von Robert Kiyosaki, „Think and Grow Rich“ von Napoleon Hill oder „The Alchimist“ von Paulo Coelho. Das Buch hat seine eigene Magie.

Läuft man Gefahr, zu streng mit sich selbst zu sein?
Ich war immer schon sehr ambitious. Eine Zeit lang habe ich mich selbst fertig gemacht, wenn ich etwas nicht gut gemacht habe. Wenn es mir jetzt passiert, denke ich mir kurz: ‚damn‘. Es war nicht gut, morgen mache ich es besser. Du kannst daraus lernen. Es bringt nichts, wenn du dich die ganze Zeit fertigmachst und dich dann noch mehr zurückhältst. Es bringt aber auch nichts, wenn du alles gutredest oder Sachen dir du dir vornimmst immer rausschiebst.

Das Optimistische, Motivierende ist eine zentrale Message deiner Tracks. Schon deine erste Solosingle „Doin My Thang“ ging in diese Richtung, war damals aber eher noch die Ausnahme.
Wenn ich den Track jetzt höre, denke ich: Die Energy ist nice und die Message ist da. Aber es ist nicht mehr ganz wer ich jetzt bin. Das meinte ich am Anfang. Das ist dann bisschen verloren gegangen. Ich habe bei paar Tracks ohne Kontext und ohne dass was dahintersteht gespittet. Es hat zu diesem Zeitpunkt Spaß gemacht und musste sein, damit ich hierherkomme. Mit „On The Low“ und dem Blaxploitation-Video habe ich zum Beispiel meine Liebe für 70s-Soulmusik dargestellt. Ich bin sehr stolz auf das Video, aber der Song ist nicht mehr das, was ich sein will.

Man könnte dich als rappenden Motivationstrainer bezeichnen. Auf Instagram und TikTok postest du viel gesprochenen Content dieser Art. Eine Richtung, in die du abseits der Musik noch mehr gehen möchtest?
Definitiv. Jetzt ist mein Fokus, dass ich meine Musikkarriere ausbaue, mich als Successfull Artist etabliere und meine Vision manifestiere. Ich mache das, was meine Seele experiencen will. ich könnte mir vorstellen, in 15 oder 20 Jahren ganz wo anders zu sein.

Was möchtest du Menschen, die sich mit etwas schwertun oder vielleicht allgemein in einer schwierigen Situation stecken, mitgeben?
Ich versuche allgemein, dass ich ihnen was Positives mitgebe und sie dazu inspiriere, ihren Träumen nachzugehen. Aber ich schaue immer, wie es die Leute annehmen. Wenn jemand komplett verschlossen ist, bringt es nichts. Ein Freund von mir hat mal gesagt: ‚Du kannst Leuten helfen, wenn ein Spalt der Tür offen ist. Aber wenn die Tür geschlossen ist, kommst du nicht durch‘.

Was braucht es, um die Türschnalle zu öffnen?
Du kannst es natürlich versuchen. Bei Leuten, die dir nahestehen und die du liebst – gib nicht auf! Ich glaube der beste Weg, um die Schnalle zu öffnen ist, wenn du dein Leben selbst in die Hand nimmst, das vorlebst was du sagst und das erreichst, was du deinen Leuten gesagt hast. Für die meisten sind die Träume und Ziele, die du hast unrealistisch. Vielleicht für dich selbst auch. Aber wenn du dich davon überzeugen kannst, dass es realistisch ist, du täglich darauf hinarbeitest und irgendwann dort bist, zeigst du, dass der Gedanke Bullshit war. Man hat oft Ziele, die einem von der Gesellschaft vorgegeben werden, vor allem durch Social Media. Mit 20 ein Millionär sein, dieses Auto oder so ein Haus haben. Es ist schön und nichts falsch daran, Luxuries zu haben. Aber viele wissen nicht, was sie von Herzen wollen. Auch ich habe gebraucht, aber jetzt breitet sich diese Vision immer mehr aus.

Ist deine Vision auf Musikebene mit einem größeren Projekt verbunden? Bis jetzt hast du einige Singles und Exclusive-Parts auf Instagram rausgebracht.
Ich arbeite auf ein Album hin, habe aber noch nichts Fixes stehen und kein Releasedate.

Aber eine Grundidee?
Ich mache Musik allgemein sehr frei. Ich merke dann, dass gewisse Songs zusammenpassen und eine Story erzählen. Mein Ziel ist, diese Songs auf ein Album zu packen, damit es vom Sound, der Message und allem her harmoniert.

Also arbeitest du gar nicht so bewusst darauf hin?
Schon auch. Es ist da, aber ich grenze mich nicht ein und sage, es muss so sein oder so klingen. Ich schaue, was ich gerade fühle, in welcher Phase ich bin. Das versuche ich in einen Song zu packen. Unbewusst arbeite ich trotzdem auf ein Album hin. Ich habe definitiv noch viel anstehen. Wir leben in einer kurzlebigen Zeit, wo es am Anfang aus meiner Sicht noch nicht so viel Sinn macht, ein Album zu droppen. Wenn du ein Peace-of-Work rausbringst, ist es schade, wenn es nicht gehört wird.

Ist das Release von der Entwicklung deiner Reichweite abhängig?
Ich will noch mehr aufbauen, das Momentum ausbreiten. Nicht dass ich Crowd-Chase, aber Attention gibt dir Oppurtunity. 

Machst du es an einer Zahl fest?
Eher am Feeling. Wenn es fertig ist, ist es fertig. Wenn mir das Gefühl sagt, jetzt ist der Zeitpunkt, werde ich meinen Fokus voll darauf legen und es rausbringen. Wenn ich ein Album droppe, soll es ein Masterpiece sein. Wenn ich es zehn Jahre später anhöre, will ich sagen: ‚I put my heart and my soul into that‘.

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Gibt es Albumvorbilder?
Eines der besten Rapalben ist für mich „4 Your Eyez Only“ von J. Cole. Als ich das gehört habe, hat es mein Heart berührt. Kennst du das, wenn du einen Song hörst und dir nur denkst: ‚Damn, er spricht mir aus der Seele‘? Das war bei diesem Album so. Wie er es aufgebaut hat, hat mir extrem gefallen. Die Alben danach waren auch gut, aber bei diesem habe ich viel zum Nachdenken begonnen. J. Cole und Kendrick Lamar sind von den Alben und der Herangehensweise her meine größten Vorbilder. Vor allem im Rapgame und in dieser Generation. Wobei ich kaum noch Rap höre. Soul gibt mir am meisten.

Du hast vorhin deine Liebe für 70er-Jahre-Soul schon erwähnt. Wer sind deine Soul-Heroes?
Zum Beispiel Earth, Wind & Fire, The Isley Brothers, The Stylistics, The Impressions, Marvin Gaye oder Bill Withers. Ich habe gelernt, dass man seinen State gut kontrollieren kann, wenn man diese Self-Awareness hat. Wenn ich meine Mood upliften möchte, höre ich auf Spotify zum Beispiel The Stylistics Radio und kriege dabei Ideen für meine Tracks.

„Was in Wien funktioniert, ist dieser Rauschkind-Rap. Das kann dope sein, ist aber nicht meine Schiene“

Du hast dich auch soundtechnisch umorientiert. Was war der Auslöser?
Ich bin ein bisschen vom Trap-Ding weggegangen. Ich habe mir schwer getan, auf diesen Beats zu schreiben. Das war 2020. Du gehst oft auf YouTube, gibst einen Type Beat ein, für mich war das alles ausgelutscht. Ich musste mich zwingen und konnte nicht wirklich das schreiben, was ich gefühlt habe. Dann habe ich angefangen, mehr in die Alternative-Rap, LoFi und Boombap-Richtung zu schauen.

Du sprichst von Type Beats, hast aber mittlerweile in der europäischen Beatszene angedockt und zum Beispiel mit Phlocalyst oder Gas Lab zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?
Es ist viel über die Spotify-Playlist „Jazz Vibes“ gekommen. Ich habe da immer Beats genommen, die mir gefallen haben und habe Freestyles darauf geschrieben. Ich habe sie auf Insta gedroppt und die Producer getaggt. Ein paar waren so: ‚Yo, that’s fire. Let’s link up!‘

Hast du auch in Österreich Artists gehört?
Hoodiebeeb zum Beispiel. Es ist eher trappig, aber ich kriege Goosebumps. Er kommt auch aus Nigeria – I’m half Nigerian. Als wir uns das erste Mal getroffen und geredet haben, haben wir gleich eine Connection gehabt. Seine Stimme ist so crazy. Sonst hat mich T-Ser inspiriert, vor allem die alten Sachen wie „Hustle Hard“, „Buntes Papier“ und das Album „Gang oder gar nicht“ habe ich gefühlt. Sonst kenne ich nicht so viele Artists in der Szene. Jeder movet bisschen für sich selbst. Das was ich mitbekomme, spricht mich oft nicht an. Was in Wien funktioniert, ist dieser Rauschkind-Rap. Das kann dope sein, ist aber nicht meine Schiene oder Nische. Ab und zu entdecke ich dafür richtig oage Producer, auch in Wien.

Wen zum Beispiel?
Reevilo, ein Freund von mir, der früher mein Arbeitskollege war. Ein crazy Producer, er macht viele meiner Sachen. Oder Johannes Madl, er ist der Main-Producer für adaolisa. Mit ihm habe ich auch schon zusammengearbeitet.

Möchtest du in Wien bleiben oder könntest du dir vorstellen, wegzuziehen?
Ich glaube nicht, dass ich in Zukunft hier bleiben werde.

Welche Stadt würde von der Szene am besten für dich passen?
London wäre gerade so mein Go-to-Spot. Dort kannst du alles machen, es gibt für jedes Genre eine Community. Ich schaue, dass ich bald wieder nach London komme und Connections aufbaue. Mein Goal ist sowieso, in Zukunft mehrere Wohnungen oder mehrere Locations zu haben, dass ich mal da und mal dort sein kann.

Da eine Wohnung, dort eine Couch?
(lacht) oder da ein Haus und dort eine Wohnung. Mal schauen. Wie vorher gesagt: Wenn du so ein großes Ziel hast und es auf realistische Steps runterbrichst, dann kann es was werden.