"The hardest thing to do is something that is close…
Eine goldene Stimme und das Gefühl für die richtigen Grooves und Melodien – Eigenschaften, die Leon Bridges bekannt machten. Der 25-jährige Soul-Sänger konnte mittlerweile nicht nur seinen Track „Coming Home“ in einem Apple-Werbespot platzieren, sondern mit dem gleichnamigen Album auch auf Position sechs der amerikanischen Albumcharts landen. Durchaus respektable Erfolge, aber mit ziemlicher Sicherheit nicht die Karrierehöhepunkte des Texaners; das gesamte Potential wurde bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Selbiges Urteil lässt sich allerdings auch hinsichtlich des Debütalbums fällen, denn hier beschleicht einem ebenfalls der Eindruck, dass Leon Bridges zu deutlich mehr im Stande ist.
Das Hauptproblem des musikalisch einwandfrei produzierten Albums liegt jedoch nicht im gesanglichen Können Bridges begründet – an dem gibt es schlichtweg nichts auszusetzen – sondern daran, dass der Geist Sam Cookes einem aus jeder gesungenen Note entgegenspringt. Passenderweise setzte Leon Bridges seine ersten musikalischen Gehversuche mit Coverversionen von Sam Cooke-Songs, wonach auch das Debüt, trotz der Eigenproduktionen, klingt. Sam Cooke findet auf „Coming Home“ einfach zu jeder Sekunde statt; die Idee, das Artwork auch in denselben Farbtönen wie Sam Cookes Debüt „Songs by Sam Cooke“ zu gestalten, verstärkt noch den Eindruck. Natürlich ist eine gute Kopie besser als ein schlechtes Original, aber es bleibt eben eine Kopie.
In einem Punkt unterscheidet sich Bridges jedoch von seinem Vorbild: Politik sucht man auf „Coming Home“ vergebens, ganz anders als in den sechziger Jahren bei Sam Cooke, der bekanntlich seine Musik auch für politische Botschaften nutzte. Bridges verhält sich hingegen vielmehr marktkonform und liefert harmlose Inhalte, die jeden zufriedenstellen und nicht anecken: Neben Liebe und Frauen („Smooth Sailin’, „Coming Home“) wird sich der eigenen Mutter („Lisa Sawyer“), dem Leben an sich („Flowers“) und, den Gospel-Wurzeln entsprechend, Religion („The River“) gewidmet – ohne dabei wirklich konkret zu werden. Über das Hitpotential der Platte braucht es keine Diskussion, das ist nämlich mit Sicherheit gegeben. Etwas mehr lyrische Tiefe und vor allem Haltung wären aber wünschenswert.
So bleibt „Coming Home“ zwar ein musikalisch fehlerfreies Werk, dem es jedoch an Eigenständigkeit und Aussagekraft mangelt. Leon Bridges benötigt notwendigerweise noch ein Alleinstellungsmerkmal, sonst bleibt er nur ein guter Soul-Sänger, über den im Nebensatz stets gesagt werden wird: „Klingt wie Sam Cooke“.
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