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Smartphone-Meer am Valentinstag // Russ live

Smartphone-Meer am Valentinstag // Russ live

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Russ Screenshot – leider durften keine Fotos beim Konzert gemacht werden

Man mag vom Valentinstag halten, was man will – aber ein Russ-Konzert passt überraschend gut dazu. Das dachten sich wohl einige, denn schon im Vorfeld konnte das Konzert restlos ausverkauft werden, ganz ohne große Promotion. Nun schiebt sich eine Masse an Menschen durch das Gänge-Labyrinth der Ottarkringer Brauerei. Und schon schallen uns vielstimmige Kreischer entgegen – das Zeichen dafür, dass Russ ohne Support und relativ pünktlich die Bühne betreten hat.

Ausschweifend tanzende Menschen, eng aneinander gekuschelte Paare und ein Meer aus Smartphones füllen den großen Saal, dem (verständlicherweise) das Ambiente eines Industriekomplexes anhaftet. Russ spricht von Liebe, von Ex-Freundinnen und, terminlich passend, darf auch der Valentinstag nicht unerwähnt bleiben. Wenngleich er nicht viel dafür übrig zu haben scheint, beschäftigen sich seine Lieder dennoch durchwegs mit romantischen und tragischen Frauengeschichten. Egal ob ältere Tracks wie „Psycho“ und „Goodbye“ oder „Losin Control“ und „Pull The Trigger“ von seinem aktuellen Album „There Is Really A Wolf“, das einen Platz in den Top 10 der Billboard Charts ergatterte (Platz 7): Die Crowd singt lauthals jedes Wort mit.

Der nicht mal 1,70m große Russ punktet mit seinem umwerfenden Charisma und großer Hitdichte – zudem finden sogar die frisch releasten Singles „Flip“ und „Some Time“ einen Platz im Set. Und auch der Geburtstag eines Fans wird mit einem von Russ inszenierten Ständchen gefeiert. Nicht nur für diesen charmanten Move bekommt der 25-Jährige kreischende Zurufe. Noch einmal springen alle zu „What They Want“ und das Spektakel findet mit einem weiteren Mal „Some Time“ als Zugabe sein Ende. Etwas überrascht verlässt die Menge den Saal. Ein kurzes, aber intensives Konzert.

Russ ist nach jahrelanger harter Arbeit endlich dort angekommen, wo er hingehört. Sein Major-Debüt „There Is Really A Wolf“ fasst verdammt gut zusammen, was das junge Allround-Talent kann. Dazu muss erwähnt werden, dass er von der ersten Snare bis zum Master alles selbst macht. Hier bekommt „Selfmade“ einen wirklich neuen Charakter. Als ich 2015 zum ersten Mal über Russ geschrieben habe, hätte ich niemals gedacht, ihn so bald live zu sehen. Das Faszinierende an ihm ist, dass er musikalisch nicht viel änderte. Schon 2015 fertigte er durchwegs Hits mit Ohrwurmcharakter an. Nun bekommt er aber dafür den gebührenden Erfolg.

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Fazit: Die halbe Miete des Konzerts war das enorm enthusiastische Publikum, das jeden Song mitsingen konnte, jeder Track wurde mit kreischenden Zurufen begrüßt. Russ dagegen zeigte sich enorm sympathisch und performte mit vollem Elan. Am Ende bleibt wenig Kritik: Die Sound-Situation in der Ottakringer Brauerei zählt nicht zu meinen Lieblingen, auch wenn die Location optisch verwöhnt. Die Länge des Konzerts war dann doch enttäuschend, Russ schaffte es auf nicht mal eine volle Stunde. Wo waren „Do It Myself“, „MVP“ oder „Comin’ Thru“ und warum zur Hölle spielt er als Zugabe dann auch noch einen Song doppelt, bei so einem Hit-Katalog im Rücken? Und leider, leider durften keine professionellen Fotos gemacht werden. Aspekte, die das Konzerterlebnis doch ein bisschen getrübt haben.