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Mehr Gefühl, weniger Kopf: B.Visible mit „In Between Places“ // Album

Mehr Gefühl, weniger Kopf: B.Visible mit „In Between Places“ // Album

Das zweite Album ist immer das schwerste? Nicht zwingend, wie B.Visible zeigt. Er hat die Gestaltung von „In Between Places“ ziemlich locker genommen. Um übers am 11. Februar erschienene Instrumentalrelease zu sprechen, treffen wir ihn in Wien-Fünfhaus. Dort, wo sich der Produzent und DJ mit Wurzeln in Villach unter anderem mit Fid Mella und Roman Rauch ein Studio teilt. Hier tüftelte B.Visible bereits an den Tracks des 2019 erschienenen Debütalbums „Pleasant Cluster“. Eine logische Fortsetzung ist der Nachfolger deshalb noch lange nicht – viel eher eine bewusste Abgrenzung und Neuorientierung.

„Das erste Album ist bisschen aus einer Hektik heraus entstanden, mit viel Kopf, Hirn und Experimentieren“, blickt er zurück. Wenngleich das Ausprobieren neuer Tools, Sounds und Wege seit jeher ein wichtiger Bestandteil seiner Produktionen ist. „Damals war es für mich interessanter, viele Switches einzubringen, so viele Synths wie möglich auf einen Track zu packen und so weiter. Ich wollte, dass es nicht so wie etwas klingt, das ich schon kenne.“ Dementsprechend überladen können die Produktionen rückblickend anmuten – zumindest im direkten Vergleich mit den neuen Tracks. B.Visible wollte diesmal weniger zerdenken und schneller zum Ziel kommen. „Das aktuelle Album ist mehr aus dem Herzen, ich wollte nur den Vibe catchen. Ich habe nicht mehr eine Kick 20 Mal abgemischt oder so, die hat einfach gepasst.“

B.Visible hat diesmal mehr auf vertraute Tools und Sounds gesetzt, sich dennoch kreativ ausgetobt und eingängige, gleichzeitig vielschichtige Klänge kreiert. Zudem wollte er sich mehr trauen, etwa melancholischere Klänge zuzulassen – obwohl seine persönliche Stimmung keineswegs bedrückter geworden sei. Dafür habe sich sein Fokus noch mehr aufs Produzieren verschoben. Auch weil seit Beginn der Pandemie nebenbei kaum Gelegenheit zum Auflegen war, er sich weniger sinnlos betrunken und dafür mehr Zeit im Studio verbracht habe. „Ich bin dadurch viel schneller geworden – und schonungsloser beim Auswählen, den Cut zu machen.“

Einflüsse älterer Electronic- und Wave-Sounds dringen nicht umsonst in einigen der Tracks durch. Wie gewohnt ließ sich der Vielhörer von neuer und neu entdeckter Musik inspirieren. „Ich habe einige alte Electronic-Tapes aus den 1980ern gehört, vor allem weil ich sie samplen wollte.“  Im Studio stehen ohnehin die gleichen Maschinen, die eine Reproduktion erleichtern. „Es ist schon länger ein Trend bei den Labels, die ich verfolge – zum Beispiel Permanent Vacation, Public Posession oder Beats in Space. Ich habe Tim Sweeney viel zu spät entdeckt und dann alle Sendungen nachgehört. Er hat einen starken wavigen Einfluss in seiner Selection. Das war vielleicht die Phase, die mich musikalisch inspiriert hat.“

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Foto: Brian Greer

Auf zwei Tracks ergänzt durch Vocals – je einmal von Silvia Ponce Marti und Edwin –, ist „In Between Places“ digital und als Vinyl erhältlich. Schon in naher Zukunft soll es mit dem nächste Projekt weitergehen: Für April hat B.Visible eine gemeinsame EP mit Rapper MDK geplant. Der erste Vorbote „24/7“ ist soeben erschienen.