"The hardest thing to do is something that is close…
Am Freitagabend gastierte mit Thundercat einer der weltbesten Bassisten im Wiener Gasometer. Gemeinsam mit seinen Bühnen-Kollegen zauberte er eine mitreißende Jazz-Fusion-Show.

Musik ist in der Familie von Stephen Lee Bruner (41), besser bekannt als Thundercat, das dominante Thema. Sowohl Vater als auch Mutter waren musikalisch aktiv und gaben diese Leidenschaft an ihre Söhne weiter – neben Stephen als Bassist sind auch Ronald Bruner Jr. als Drummer und Jameel „Kinatro“ Bruner als Keyboarder aktiv (früher unter anderem bei The Internet).
Mit Ronald Bruner Jr. spielte Thundercat auch gemeinsam bei den Hardcore-Punk-Heroen Suicidal Tendencies. Stephen Lee Bruner war rund neun Jahre Teil der Band, Ronald Bruner Jr. sogar über ein Jahrzehnt. Alle drei Brüder konnten sich bereits über Grammy-Nominierungen freuen (Stephen und Ronald sogar über Auszeichnungen). Viele Familien gibt es nicht, die Ähnliches vorweisen können.
Thundercat Superstar
Der Bruner, auf den momentan das meiste Scheinwerferlicht gerichtet ist, ist jedoch zweifellos Thundercat. Der Bassist aus Los Angeles, dessen exzentrische Stage-Persona unter anderem durch seine Zeit im Umfeld von Erykah Badu geprägt wurde, machte in den vergangenen Jahren durch Kollaborationen mit Flying Lotus, Kendrick Lamar („These Walls“ wurde mit einem Grammy ausgezeichnet), Haim oder Mac Miller auf sich aufmerksam. Dieses Jahr trat Thundercat außerdem auf neuen Album von A$AP Rocky, „Don’t Be Dumb“, in Erscheinung.
Für den 3. April hat der zweifache Grammy-Gewinner mit „Distracted“ sein fünftes Studio-Album angekündigt. Passend dazu befindet sich Thundercat momentan auf der „Distracted AF“-Tour, die ihn am Freitagabend auch in den Wiener Gasometer führte.
Schon beim Voract Dorian Concept – der Wiener Synthie-Tüftler war einst Labelkollege bei Brainfeeder und Kollaborationspartner von Thundercat – ist die Simmeringer Halle gut gefüllt. Das Publikum setzt sich bunt zusammen, der Altersdurchschnitt weist auch darauf hin, was einen heute erwartet: mehr Jazz, weniger Rap.

Nach einer halben Stunde Dorian Concept, der die Menge mit seinen verschachtelten Synth-Grooves zum Tanzen animiert, folgt eine kurze Verschnaufpause, bevor einer der weltweit besten Bassisten die Bühne übernimmt. Neben dem in Rick Owens gekleideten Thundercat betreten auch Keyboarder Dennis Hamm und Drummer Justin Brown die Bühne – alle drei absolute Meister ihres Fachs, wie sie im Verlauf des Abends eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Auch die Show des Justin Brown
Die Songs greifen nahezu nahtlos ineinander. Alle drei Musiker holen alles aus ihren Instrumenten heraus. Neben Thundercat mit seinem sechssaitigen Ibanez-Signature-Bass bekommt vor allem Brown immer wieder Gelegenheit, durch ausgedehnte Soloeinlagen den Fokus des Publikums auf sich zu ziehen.

Die Setlist umfasst neben etabliertem Material der Marke „Funny Thing“, „Dragonball Durag“ oder „Overseas“ auch Songs wie „No More Lies“ mit Tame Impala oder „I Wish I Didn’t Waste Your Time“, die auch auf dem neuen Album zu finden sein werden. Der Sound im Gasometer ist bekanntermaßen tückisch, hat aber keinen Einfluss auf die Stimmung.
Nach dem wohl bekanntesten Thundercat-Song „Them Changes“ verlässt die Band zunächst die Bühne, um anschließend noch zwei Zugaben zu spielen – die Performance der Songs „Show You The Way“ und „What’s the Use?/She Knows Too Much“ – beides Kollaborationen von Thundercat mit Mac Miller – dauert 15 Minuten und ist der krönende Abschluss eines musikalischen Feuerwerks.
Fazit
Thundercat und Band im Gasometer boten eine astreine Jazz-Fusion-Show, bei der das Publikum 90 Minuten lang Zeug*innen musikalischer Virtuosität sein konnten. Auf ein baldiges Wiedersehen und ein s/o an Cute Concerts für das Booking!

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